Fettleibigkeit: Mit Spritzen oder Skalpell der Adipositas auf den Leib rücken

Ernährungsumstellung und mehr Bewegung erzielen bei Menschen mit starker Fettleibigkeit oft nur eine begrenzte Wirkung. Das Problem ist nicht die Gewichtsabnahme, sondern das Halten des reduzierten Gewichts. Immer häufiger raten Ärzte ihren sehr fettleibigen Patienten daher zu einer Operation mit Magenverkleinerung oder Magenbypass. Zudem könnte eine neue Pharmakotherapie mit Analoga zu gastrointestinalen Hormonen Menschen mit ausgeprägter Adipositas langfristig helfen, berichteten Experten auf dem 60. Deutschen Kongress für Endokrinologie in Würzburg.

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An Rücken und Gelenken wird zu schnell operiert – „Zweitmeinungsklinik“ schützt vor überflüssigen Operationen

Die Orthopädische Uni-Klinik Bad Abbach bietet Patienten jetzt vor Operationen an Rücken und Gelenken Soforttermine für Zweitmeinungsberatung.Prof Dr. Joachim Grifka warnt: „In beinahe jedem zweiten Fall ist eine Operation aus unserer Sicht nicht notwendig!“

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Schwangerschaft: Hormonexperten raten zum Funktionscheck der Schilddrüse und zu Jodtabletten

Funktionsstörungen der Schilddrüse in der Schwangerschaft gefährden die Gesundheit von Mutter und Kind. Betroffen können alle Schwangeren sein. Risikopatientinnen sind Frauen mit vorbekannter Schilddrüsenerkrankung, Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen, ältere Schwangere und Frauen mit Übergewicht. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) rät diesen Frauen, ihre Schilddrüsenfunktion testen zu lassen. Auch fordert sie, dass alle Schwangeren Jodtabletten einnehmen sollten.

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Krankenhäuser: Immer effizienter – oder immer ausbeuterischer?

Pro tausend stationären Behandlungsfällen wird in deutschen Krankenhäusern mit 47 Vollzeitäquivalenten deutlich weniger Personal als in allen anderen OECD-Ländern eingesetzt. Die deutsche Entwicklung ist deutlich durch die hohe Zunahme der Fallzahlen bedingt.

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Schwangerschaftsdiabetes: Erst Lebensstiländerung, dann Insulin

Diabetes ist eine der häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft, die für die werdende Mutter wie für das ungeborene Kind ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt. Daher ist es umso wichtiger, dass jede Schwangere an dem gesetzlichen Screening in der Schwangerenvorsorge teilnimmt und mit der Behandlung nach der Diagnose so früh wie möglich beginnt, um die Gefahr für sich und ihr Kind zu minimieren. „Schwangerschaftsdiabetes: Erst Lebensstiländerung, dann Insulin“ weiterlesen

Kein Paracetamol gegen Katerkopfschmerzen!

Vorsicht: Das beliebte Schmerzmittel Paracetamol ist bei Katerkopfschmerzen tabu! „Alkohol und der Wirkstoff Paracetamol werden in der Leber teilweise über dasselbe Enzym abgebaut. Das Organ wird so doppelt belastet“, erklärt Dr. med. Jan-Peter Jansen, ärztlicher Leiter des Schmerzzentrums Berlin. Der Experte rät: „Gegen Katerkopfschmerzen sollten Betroffene lieber auf Alternativen wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen ausweichen.“

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Gesund gevögelt

Bestsellerautorin Susanne Wendel hat früher sexuell vieles ausprobiert. Das änderte sich mit einer festen Beziehung und zwei kleinen Kindern. Am sexuellen Tiefpunkt nahm sie ihr Liebesleben wieder in die Hand. Nicht abnehmen, nicht sporteln, sondern vögeln war ihr Vorsatz. Mit viel Mut zum Ungewöhnlichen entwickelte sie mit ihrem Partner ein lustvolles 12-Wochen-Sex-Programm.

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Magensäureblocker: Ohne eindeutige Diagnose nicht langfristig einnehmen

Protonenpumpeninhibitoren (PPI), auch Magensäureblocker genannt, gehören zu den hierzulande am häufigsten eingenommenen Medikamenten. Nach Angaben des aktuellen Arzneimittelverordnungs-Reports hat sich ihre Verordnung in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als verdreifacht und lag 2015 bei rund 3,7 Milliarden definierten Tagesdosen (DDD, daily defined dose). Protonenpumpeninhibitoren sind wichtige Medikamente, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Sie würden jedoch vielfach auch bei Beschwerden eingesetzt, für die sie nicht geeignet seien. In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte, als bislang bekannt. Eine Dauermedikation sollte deshalb nur unter ärztlicher Betreuung und bei klar abgesicherter Diagnose erfolgen, empfiehlt die DGVS.

Protonenpumpeninhibitoren, umgangssprachlich auch Magensäureblocker oder Magenschutz genannt, reduzieren die Bildung von Magensäure. „Diese Medikamente sind wirksam und wichtig zur Behandlung und Vorbeugung bestimmter säureassoziierter Magenerkrankungen wie beispielsweise der Refluxkrankheit, der gastroduodenalen Ulkuskrankheit, des Barrett-Ösophagus oder des Zollinger-Ellison-Syndroms“, erklärt DGVS-Experte Professor Dr. med. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik, Universitätsmedizin Mannheim. „In manchen Fällen ist auch ihr Einsatz als ‚Magenschutz‘, also als Vorsorge von Magenblutungen, ausgelöst durch die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie Acetylsalicylsaure oder nichtsteroidale Antirheumatika, sinnvoll und wichtig“, so der Gastroenterologe.

Zu häufig aber würden Protonenpumpeninhibitoren auch bei Beschwerden angewandt, bei denen ihr Nutzen nicht wissenschaftlich nachgewiesen sei. Hierzu zählt vor allem ein Reizmagen. „Ein Reizmagen-Syndrom ist nicht ganz leicht zu behandeln, denn seine Symptome und die Ursachen sind vielfältig. Aus Mangel an effizienten Therapien wird dann nicht selten auf PPIs zurückgegriffen“, so Ebert. Die unkritische Einnahme von PPIs bei unspezifischen und teils auch ernährungsbedingten Magenbeschwerden – etwa Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit – werde zudem dadurch begünstigt, dass die Medikamente auch freiverkäuflich in Apotheken abgegeben würden. Aus dem gelegentlichen Griff zu den PPIs kann schnell eine Dauereinnahme werden. Grund: Beim abrupten Absetzen eines PPI kann es bei manchen Patienten zu einer überschießenden Produktion von Magensäure kommen – dann treten die Symptome, gegen die das Medikament eingenommen wurde, eine gewisse Zeit lang sogar noch verstärkt auf. „Dies führt nicht selten dazu, dass Patienten das Medikament dann weiter einnehmen und langfristig dabei bleiben“, so Ebert.

In jüngster Zeit mehren sich Hinweise und Studien, dass eine langfristige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren – über mehrere Monate oder sogar Jahre – mit möglichen Nebenwirkungen assoziiert ist. Zu den unter Wissenschaftlern diskutierten möglichen Risiken zählen insbesondere ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und eine Veränderung der Darmflora. Verschiedene Untersuchungen zeigten auch, dass bei langfristiger Einnahme von PPI die Rate an Darminfektionen mit Erregern wie Clostridium difficile oder Campylobacter zunahm. „Hier muss man jedoch betonen: Bei vielen der vermuteten Nebenwirkungen ist die Studienlage bislang noch dürftig und teils auch widersprüchlich“, sagt DGVS-Pressesprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein aus Aachen. Gesicherte Erkenntnisse gebe es bislang kaum – es brauche weitere, aussagekräftige Studien, um die aktuellen Hinweise zu belegen oder zu widerlegen.

„Dennoch müssen die aktuellen Hinweise Anlass dazu geben, die bislang recht unkritische Verschreibung und Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren zu überdenken“, betont Trautwein. Bislang waren PPIs für ein sehr gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis bekannt, weshalb die Verordnung oft sehr großzügig und die Indikationsstellung recht weit gefasst war – dies muss sich ändern.“

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten rät: Protonenpumpeninhibitoren sollten nicht langfristig – über mehr als zwei Monate – ohne eine eindeutige, gesicherte Diagnose, die eine PPI-Therapie unabdingbar erfordert, eingenommen werden. Hierfür sei etwa ein Gastroenterologe der richtige Ansprechpartner. Von einer regelmäßigen Einnahme von PPIs ohne ärztliche Überwachung und klare Indikation rät die Fachgesellschaft ab.

Literatur:

Mössner, J, Magen-Darm-Mittel und Lebertherapeutika. In: Schwabe, U., Paffrath, D. (Hrsg), Arzneimittelverordnungs-Report 2016, Berlin Heidelberg: Springer 2016. http://www.springer.com/de/book/9783662503508

Ueberschaer, H., Allescher H.D., Protonenpumpenhemmer – Nebenwirkungen und Komplikationen der langfristigen Protonenpumpenhemmereinnahme, Z Gastroenterol 2017; 55(01): 63-74, DOI: 10.1055/s-0042-121265 https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0042-121265

Buendgens L, Bruensing J, Matthes M, Dückers H, Luedde T, Trautwein C, Tacke F, Koch A., Administration of proton pump inhibitors in critically ill medical patients is associated with increased risk of developing Clostridium difficile-associated diarrhea. J Crit Care. 2014 Aug; 29(4):696.e11-5. http://dx.doi.org/10.1016/j.jcrc.2014.03.002

Mössner, J, The indications, applications, and risks of proton pump inhibitors — a review after 25 years. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 477–83. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0477 http://www.aerzteblatt.de/pdf/113/27/m477.pdf

Therapeutische Impfung gegen Lungenkrebs: Positive Ergebnisse

Vorerst nur bei einer kleinen Patientengruppe bringt die therapeutische Impfung gegen Lungenkrebs positive Ergebnisse, berichten Schweizer Experten beim Lungenkrebs-Weltkongress in Wien. Die Vakzine ist noch im Frühstadium der klinischen Entwicklung.

Derzeit ist die sogenannte Immuntherapie bei immer mehr Krebserkrankungen hoch im Kurs. Bei dem innovativen Ansatz geht es um das Lösen jener „Bremsen“, welche das körpereigene Abwehrsystem des Menschen daran hindern, den bösartigen Tumor anzugreifen. Im Rahmen der Forschungen zu Immuntherapien könnten innovative Vakzinierungsansätze Erfolg versprechen, hieß es am Lungenkrebs-Weltkongress mit rund 6.000 Teilnehmern in Wien (IASLC 17th World Conference on Lung Cancer, 4. bis 7. Dezember).

Es geht dabei um die Krebsvakzine BI 1361849. Die Vakzine umfasst kleine Messenger-RNA-Ketten, welche für sechs Proteine von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen kodieren, die nach der Impfung dann im Körper produziert werden. Das Injizieren der Vakzine soll über die Bildung der Karzinom-Proteine zu einer gesteigerten Immunantwort auf den Tumor führen.

Dr. Alexandros Papachristofilou von der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie in Basel und seine Co-Autoren haben eine frühe Studie mit der Vakzine durchgeführt. Sie erfolgte noch an einem relativ kleinen Kreis von Patienten (26) und sollte vor allem mögliche Nebenwirkungen aufdecken sowie Hinweise auf immunologische Reaktionen auf die Vakzine bei den Geimpften geben. Eine statistische Aussage über eine Wirkung lässt sich aus solchen frühen Studien nicht ableiten.

Die Kranken erhielten zwei Impfstoff-Dosen vor einer geplanten Strahlentherapie. Danach wurden die Impfungen wiederholt, gleichzeitig erhielten viele der Patienten (17 insgesamt) eine Chemotherapie (Pemetrexed, 15 Patienten) oder eine zielgerichtete Therapie (Tyrosinkinase-Hemmer, 2 Patienten).

Das erste Ergebnis: Die meisten Patienten registrierten bloß geringe Nebenwirkungen auf die Vakzine, zum Beispiel Rötungen an der Impfstelle und grippe-ähnliche Symptome. Bei zwei der Geimpften kam es zu Abgeschlagenheit oder Fieberzacken.

„Bei einem Erkrankten kam es zu einem partiellen Rückgang der Erkrankung. Er erhielt auch Pemetrexed. Bei 13 von 25 Patienten stabilisierte sich die Erkrankung, wobei bei zwei Betroffenen eine bemerkenswert lange Stabilisierung von 72 bzw. 54 Wochen Dauer auftrat“, betonte Dr. Papachristofilou.

Eine „Krebsimpfung“, welche ja das Immunsystem gegen das Lungenkarzinom anheizen sollte, müsste eigentlich auch außerhalb des Wirkungsfeldes einer lokal effektiven Strahlentherapie eine Auswirkung haben. Anhaltspunkte für einen solchen Effekt wurden bei sieben Patienten beobachtet. Man konnte bei der Mehrzahl der Geimpften eine Immunantwort messen. Wegen der geringen Anzahl behandelter Patienten sind Schlussfolgerungen zur klinischen Wirksamkeit noch schwierig, aber der Impfstoff wurde in dieser Studie gut vertragen und löste bei der Mehrzahl der Patienten Immunantworten in Kombination mit Strahlentherapie, Pemetrexed oder Tyrosinkinase Hemmern aus, stellten die Experten abschließend fest.

[i]IASLC-WCLC Abstract Alexandros Papachristofilou et al. Final Phase Ib Results of RNActive® Cancer Vaccine BI 1361849 and Local Radiation as Maintenance Therapy for Stage IV NSCLC.[/i]

Zurück ins Leben

Eine chronische Herzschwäche hat das Leben von Jürgen Schuller vollkommen auf den Kopf gestellt. Die Erkrankung hat ihn gezwungen, ganz neu über sich selbst und seine Gesundheit nachzudenken. Dass er wieder Freude am Leben hat, verdankt er zu großen Teilen einem neuen Behandlungsverfahren: der CCM.

Alles beginnt 2008, als sich die ersten Symptome der folgenschweren Erkrankung einstellen. Als Busfahrer bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) denkt Herr Schuller anfänglich, dass das beklemmende Gefühl und der Druck in seiner Brust mit seinen anstrengenden Nachtschichten in Verbindung stehen. Doch dann tritt auch Kurzatmigkeit beim Treppensteigen und anderen alltäglichen Betätigungen auf, oft gefolgt von Erschöpfungszuständen. Ein Leistungsabfall ist nicht mehr zu übersehen.

Um sich wieder fit zu machen, setzt Herr Schuller sich nach seinem Spätdienst oftmals kurzerhand auf den Fahrrad-Heimtrainer und strampelt seine 50 Kilometer. Denn „geht nicht – gibt’s nicht“, das ist zeitlebens die Devise des 52-jährigen gebürtigen Schwarzwälders. Allerdings muss er feststellen, dass die nächtlichen „Fitness-Sessions“ seinen Puls auf – wie er heute weiß – lebensbedrohliche 200 Schläge pro Minute beschleunigen. Da hat er noch ein Jahr bis zur Diagnose.

[B]Chronische Herzschwäche – Chronische Herzinsuffizienz [/B]

Das menschliche Herz ist das zentrale Organ unseres Blutkreislaufs. Beim gesunden Menschen pumpt es zuverlässig pro Minute fünf bis sechs Liter Blut durch den Körper und versorgt so Organe, Gewebe und Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ist das Herz aufgrund einer krankhaft verringerten Pumpleistung nicht in der Lage, die erforderliche Menge Blut im Körper zu verteilen, spricht die Medizin von einer Herzinsuffizienz, der Volksmund von einer Herzschwäche.

Als Maßstab für die Leistungsfähigkeit des Herzens verwenden Ärzte die so genannte „Ejektionsfraktion“ (EF). Hinter diesem Begriff, der übersetzt nichts anderes bedeutet als „Auswurfanteil“, verbirgt sich der Prozentsatz der Blutmenge in der Herzkammer, der bei einem Herzschlag in den Kreislauf befördert wird. Als normal gelten Werte über 55 Prozent. Menschen mit einer Herzschwäche hingegen haben in der Regel eine „EF“ von weniger als 45 Prozent.

Verursacht wird die chronische Herzinsuffizienz oftmals durch eine Schädigung des Herzmuskels. Seltener ist die Erkrankung erblich („genetisch“) bedingt oder geht auf eine Infektionskrankheit zurück. Für alle Ursachen gilt, dass die Betroffenen oft nichts von ihrer Erkrankung wissen, die eine lebenslange Behandlung erfordert.

[b]Das Herz des Bruders [/b]

So ahnt auch Jürgen Schuller nicht, dass sein Herz nachhaltig geschädigt ist – und noch weniger, dass eine erbliche Belastung die Ursache der Erkrankung ist. Nach dem plötzlichen Herztod seines Bruders während eines Volkslaufs 2007 findet die Familie denn auch rasch eine Erklärung für den tragischen Verlust: übermäßiger Stress, ungesunde Lebensumstände, die schwere Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), so nehmen alle an, haben den Tod des Bruders verursacht.

[b]Das eigene Herz[/b]

Im Dezember 2009 bricht Herr Schuller in der Ambulanz des Klinikums Ludwigsburg zusammen. Eigentlich ist er wegen eines Magen-Darm-Infekts dort hingegangen, doch nach der sofortigen notärztlichen Behandlung muss er aus ganz anderen Gründen in der Klinik bleiben. Herzspezialisten stellen fest, dass seine EF nur noch bei lebensbedrohlich niedrigen 25 Prozent liegt. Und sie geben seiner Erkrankung einen Namen: chronische Herzschwäche.

Nun passt auf einmal alles ins Bild: die Kurzatmigkeit, die geringe Belastbarkeit und der Druck auf der Brust, der ein Zeichen dafür ist, dass er sein Herz überfordert. Aufgrund von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und der Gefahr, wie sein Bruder ohne Vorwarnung einem Herztod zu erliegen, raten die Ärzte Herrn Schuller, sich ein elektrisches Gerät unter die Haut einpflanzen zu lassen, einen implantierbaren Cardioverter / Defibrillator (ICD), der sein Herz im Fall der Fälle wieder zum Schlagen bringen könnte. Ein streichholzschachtelgroßer Lebensretter. Doch das Gerät hätte Herrn Schuller die Zulassung als Busfahrer gekostet. Und so entschließt er sich, es vorerst bei einer medikamentösen Behandlung seiner Herzinsuffizienz zu belassen.

Anfang 2010 bricht Herr Schuller erneut zusammen, diesmal in seiner Wohnung. Sein Herz hat ausgesetzt – nur kurz, aber erhebliche Verletzungen sind die Folge. Nun führt kein Weg mehr an dem ICD vorbei. Seither überwacht die kleine Box an seinem Schlüsselbein, ob Herrn Schullers Herz ausreichend im Takt bleibt. Und wenn die Kapriolen zu wild werden, gibt es elektrische Pulse ab, die die ungeregelten Zuckungen des Herzens, so genannte Arrhythmien, beenden und dafür sorgen, dass der Herzmuskel wieder geordnet Blut pumpt. So retten ICDs viele Leben.

Trotz dreiwöchiger Reha, trotz vieler Medikamente von Entwässerungstabletten, den Diuretika, über Betablocker bis zu ACE-Hemmern verschlechtert sich der Allgemeinzustand von Herrn Schuller jedoch immer weiter. Sein EF-Wert hängt im Spätherbst 2010 noch immer auf dem kritischen Wert von 25 Prozent fest und die Leistungsfähigkeit nimmt weiter ab. Obwohl er so sicher war, „wieder schaffen gehen zu können“, bescheinigt ihm der Amtsarzt nun, dass an eine Fortsetzung seiner Erwerbstätigkeit oder an eine andere Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht zu denken sei. Herr Schuller soll seine Rente einreichen.

Gesundheitlich wird es nun richtig schwierig. Häufig kann Herr Schuller seine Wohnung über längere Zeiträume nicht mehr verlassen. Hinzu kommt ein mentaler „Druck“. Dem offenen und einst lebensfrohen Mann gelingt es kaum noch, seine sozialen Kontakte zu pflegen. Lebensqualität, die den Namen verdient, gibt es nicht mehr. Die Implantation des Defibrillators hat sein Leben gerettet, aber die Beschwerden sind nicht besser geworden, die körperliche Belastbarkeit bleibt so gering, wie sie war. So ist das mit diesen Lebensrettern: Manchmal zeigen sie einen Zusatznutzen. Bei Herrn Schuller nicht.

Heute sagt Herr Schuller, dass in ihm damals diese Erkenntnis wuchs: „Ich bin Herzpatient – und ich werde es immer bleiben.“ Er muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass eine Herztransplantation irgendwann die letzte Möglichkeit für ihn bedeuten könnte, sein Leben zu retten.

Doch dann kommt die Wende. 2011, bei einer Kontrolluntersuchungen im Klinikum Ludwigsburg, spricht Prof. Christian Wolpert Herrn Schuller auf ein neuartiges Behandlungsverfahren an. Dazu müsste ein weiteres Gerät in Herrn Schullers Brust implantiert werden: links der Defibrillator, rechts das neue, OPTIMIZER genannte Gerät. Der erfahrene Internist und Kardiologe informiert Herrn Schuller über die Möglichkeiten dieser Therapie – und natürlich auch über die Nebenwirkungen, die das neue Verfahren mit sich bringen kann.

[b]Die Kardiale Kontraktilitätsmodulation CCM[/b]

Der OPTIMIZER ist wie der Defibrillator von Herrn Schuller ein Gerät, das im Bereich des Schlüsselbeins unter die Haut implantiert wird. Es wurde mit dem Ziel entwickelt, die Symptome einer Herzinsuffizienz bei Patienten zu verbessern, für die sich andere Behandlungsformen nicht eignen oder bei denen sich andere Behandlungsformen als wenig wirksam herausgestellt haben.

Über den OPTIMIZER werden spezielle, elektrische Pulse an das Herz abgegeben, um die Pumpleistung zu steigern. Das geschieht während einer Phase kurz nach dem sich das Herz beim Blutausstoß ganz zusammengezogen hat. Im Gegensatz zu Defibrillatoren und Herzschrittmachern wirkt der OPTIMIZER nicht über die Beeinflussung des Herzrhythmus sondern über die Verstärkung der Kontraktionsfähigkeit – also der Pumpleistung des Herzens. Dabei „verträgt“ sich der OPTIMIZER mit anderen implantierten Systemen, d.h. er ist kompatibel mit dem ICD-System, das Herrn Schuller bereits implantiert worden ist.

Eine Entscheidung zum Leben
Nachdem Herr Schuller sich in Ruhe über die Funktionsweise des OPTIMIZER informiert hat, ist die Entscheidung gefallen. Innerhalb von vier Wochen wird ihm von Prof. Dr. Wolpert in einer minimal-invasiven Operation der OPTIMIZER implantiert. Zur Beobachtung bleibt er vier Tage im Krankenhaus, die Kosten der Behandlung werden vollständig von seiner gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Bereits zwei Monate nach der Implantation des OPTIMIZER hat sich die Pumpleistung des Herzens von 25 Prozent auf 36 Prozent verbessert. Zwar ist Herr Schuller auf Grund seiner chronischen Herzschwäche noch immer nur eingeschränkt erwerbsfähig, aber seine Leistungsfähigkeit hat sich so stark verbessert, dass er einer Teilzeitbeschäftigung von 30 Stunden im Monat nachgehen kann: Er betreut jetzt 6- bis 12-jährige Kinder bei ihren Hausaufgaben und in den Ferien. Dass es dabei oftmals stürmisch zugeht, ist keine Frage – aber auch kein Problem mehr!

Die Verbesserung der Symptome ist mehr als deutlich: Vor der Behandlung mit dem OPTIMIZER zwangen 10 Minuten Staubsaugen Herrn Schuller, sich anschließend zwei Stunden ausruhen. Inzwischen bietet sich ein ganz anderes Bild: Letzten Sommer hat er eine 20 Kilometer lange Fahrradtour mit seiner Frau unternommen. Und er war mit seiner Familie im Urlaub – zum ersten Mal seit drei Jahren.

So ganz nebenbei hat der schon immer sehr umtriebige Mann, bei dem niemand aufgrund seines Äußeren eine schwere Herzerkrankung vermuten würde, 2014 den Verein „Freundeskreis UNABHÄNGIGER Defi-Patienten e.V.“ gegründet. Ziel des Vereins und der angeschlossenen Selbsthilfegruppe ist die Unterstützung und Förderung der Selbsthilfe von Implantat-Trägern und deren Angehörigen. Über 800 Stunden hat er in die Gründung des Vereins gesteckt, dessen 1. Vorsitzende er ist. Zusätzlich organisiert er noch Vorträge, Veranstaltungen und kleinere Wanderungen oder kümmert sich um Sponsorengelder.

Bei so viel neuer Lebensfreude nach möglichen Nachteilen gefragt, antwortet er: „Ein ganz wesentlicher Vorteil ist, dass ich die Batterien des OPTIMIZER selbst laden kann – anders als bei meinem Defi (Defibrillator). Das heißt aber auch, dass ich sehr eigenverantwortlich handeln muss. Alle zwei Wochen lege ich dazu einen DVD-Marathon ein und lade die Batterien drei bis vier Stunden.“ Die lange Ladezeit ist dem inzwischen überholten älteren Modell des OPTIMIZERs geschuldet. Die aktuelle Gerätegeneration benötigt nur noch eine Ladezeit von 40 bis 60 Minuten pro Woche.

Noch einen zweiten Nachteil führt Herr Schuller an: „Es bleibt immer das Gefühl, dass ich zwei Geräte in der Brust habe und deshalb nur auf dem Rücken schlafen kann. Aber ich bin Professor Wolpert und allen Beteiligten so dankbar, dass mit seiner Hilfe mein schwacher Motor wieder getunt werden konnte. Bedingt durch die Vielzahl der einzunehmenden Medikamente habe ich einige körperliche Defizite. Dennoch konnte ich so viel Lebensqualität zurückgewinnen.“

„Die kardiale Kontraktilitätsmodulation, auch  CCM-Therapie genannt, ist eine neuartige Therapiemethode, die international zur Behandlung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz angewandt wird. Am Klinikum Ludwigsburg setzen wir diese seit über vier Jahren bei Patienten ein, die trotz medikamentöser Therapie symptomatisch geblieben sind. Klinische Studien haben den Nachweis erbracht, dass die CCM, wie auch bei Herrn Schuller, erheblich dazu beitragen kann, die allgemeine Lebensqualität und körperliche Belastbarkeit des Patienten zu verbessern“.

[hr]

Behandelndes Klinikum von Herrn Jürgen Schuller:
Ludwigsburg, Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim
Abteilung: Klinik für Innere Medizin, Kardiologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin
Posilipostraße 4
71640 Ludwigsburg
www.klinikum-ludwigsburg.de

Behandelnde Kliniken in Deutschland
http://www.impulse-dynamics.de/wie-bekomme-ich-ccm/implantierende-kliniken/

Behandelnder Arzt:
Prof. Dr. med. Christian Wolpert
Telefon: +49 7141 / 99-67301
E-Mail: christian.wolpert@kliniken-lb.de

Selbsthilfegruppe für Defi-Patienten und Implantat-Träger

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Über Impulse Dynamics:
Impulse Dynamics N.V. konzentriert sich auf die Entwicklung von Elektrotherapien zur Behandlung chronischer Herzinsuffizienz. Die geschützte Technologie des Unternehmens beruht auf einer einzigartigen wissenschaftlichen Entdeckung zur elektrischen Beeinflussung von Körpergewebe: Die Abgabe nicht-exzitatorischer elektrischer Signale an Gewebe kann vorhersagbar und reproduzierbar auf die Gewebseigenschaften Einfluss nehmen (z.B. auf die Stärke der Kontraktion des Herzmuskels).

Weitere Informationen: www.impulse-dynamics.de