Weihnachtsstress für die Zähne: Richtiges Naschen beugt Karies vor

Obwohl die Weihnachtszeit als besinnlich gilt, gestaltet sie sich für die Zähne sehr anstrengend. Denn Leckereien wie Lebkuchen, Schokolade und Glühwein schmecken nicht nur gut, ihr übermäßiger Genuss verursacht gleichzeitig Karies. Dr. Stephan Ziegler, leitender Zahnarzt und Gründer der KU64-Zahnarztpraxis aus Berlin, zeigt auf, wie sich die Zähne im Advent schützen lassen.

Süße Versuchungen

Winterliche Spezialitäten wie Dominosteine und Stollen gehören selbstverständlich zur Weihnachtszeit dazu, schaden den Zähnen allerdings durch ihren hohen Gehalt an Zucker. Dieser befindet sich jedoch nicht nur in Süßigkeiten, sondern auch in Glühwein und Punsch. Nach dem Verzehr wandeln Bakterien im Mundraum den Zucker in Säure um, die auf Dauer den Zahnschmelz angreift und im Laufe der Zeit Karies verursacht. Doch stärker als die Menge der zuckerhaltigen Lebensmittel wirkt sich die Häufigkeit der Naschereien auf die Zahngesundheit aus. „Isst man mehrere Plätzchen auf einmal, liegt kurzzeitig ein saurer pH-Wert im Mundraum vor, den der Speichel aber innerhalb einer halben Stunde neutralisiert. Wird allerdings über den ganzen Tag verteilt Süßes gegessen, entsteht immer wieder eine saure Umgebung, die dem Zahnschmelz nachhaltig schadet“, erklärt Dr. Ziegler. Also zum Wohle der Zähne lieber einmal am Tag die Keksdose öffnen, statt mehrmals zwischendurch zu naschen.

Schutz für die Zähne

Für gesunde Zähne stellt regelmäßiges Putzen die wichtigste Maßnahme dar. Mindestens zweimal am Tag für drei Minuten gilt hier als Richtlinie. Am besten erst eine halbe Stunde nach dem Essen die Zähne putzen, da der Verzehr von zucker- sowie säurehaltigen Nahrungsmitteln wie Orangen oder Mandarinen den Zahnschmelz kurzzeitig schwächt. Wer mit dem Griff zur Zahnbürste ein wenig wartet, gibt dem Schmelz Zeit, sich zu remineralisieren. „Zu einer gründlichen Mundhygiene gehört auch der Einsatz von Zahnseide oder Interdentalbürsten, die die Zahnzwischenräume reinigen. Denn dort lagern sich Essensreste ab, die eine herkömmliche Zahnbürste nicht erreicht“, betont der Experte. Im Anschluss entfernt eine Mundspüllösung Keime und sorgt für ein angenehmes Frischegefühl. Besteht nach dem Essen nicht die Möglichkeit des Putzens, trägt auch das Durchspülen des Mundes mit Wasser zur provisorischen Reinigung bei. Zudem helfen zuckerfreie Kaugummis und Bonbons die natürliche Speichelproduktion anzuregen und den pH-Wert im Mund wieder in einen neutralen Bereich zu bringen.

Wer sich in der Adventszeit an diese Tipps hält, muss auf dem Weihnachtsmarkt auf keine Köstlichkeiten verzichten. Allerdings tut es den Zähnen und letztendlich auch dem restlichen Körper gut, wenn Leckermäuler zwischendurch zu heißen Maronen statt gebrannten Mandeln oder einem Bratapfel mit Nüssen statt einem Liebesapfel greifen.

Weitere Informationen unter www.ku64.de

Schwäche, Sturzgefahr und Knochenbrüche: Altersproblem Muskelabbau wird oft unterschätzt

Ausreichend trainierte Muskulatur ist eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt von Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter. Der Rückgang von Muskelmasse und -funktion, die sogenannte Sarkopenie, führt zu Gebrechlichkeit, Schwäche und Balancestörungen. Stürze und Knochenbrüche können die Folge sein. Dennoch wird der altersbedingte Muskelabbau mit seinen gravierenden Auswirkungen für die Betroffenen immer noch unterschätzt: Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)  hin. Muskelerhalt und -aufbau sei bis ins hohe Alter möglich. Ärzte sollten deshalb immer die Muskelmasse ihrer Patienten im Blick haben und gegebenenfalls frühzeitig Bewegung, gezieltes Training sowie eine eiweißreiche Diät verordnen.

 Etwa ab dem 30. Lebensjahr beginnt ein physiologischer Umbau von Muskulatur in Fettgewebe von 0,3 bis 1,3 Prozent/Jahr. „Unternimmt man nichts dagegen, gehen so rund 30 bis 50 Prozent der Muskelmasse bis zum 80. Lebensjahr schleichend verloren“, sagt Professor Dr. med. Cornel C. Sieber, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg und Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Doch eine gute Muskulatur ist die Voraussetzung für körperliche Leistungsfähigkeit. „Sie ist auch entscheidend, um alltägliche Aktivitäten wie etwa Aufstehen, Anziehen, Treppensteigen oder Einkäufe selbstständig zu bewältigen“, sagt der Geriater. Auch helfe eine trainierte Muskulatur, die Sturzgefahr zu vermindern. Sie erhöhe die Widerstandskraft und trage dazu bei, Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel und Gehirnfunktionen aufrecht zu erhalten. Auch für die Erholung nach einer Operation ist ein gutes Muskelkorsett hilfreich: „Wenn der Patient aktiv mitarbeiten kann, gelingen Frühmobilisation und Rehabilitation besser.“

Sarkopenie: Der Körper „frisst“ sich selbst auf

„Dennoch ist das Problembewusstsein für Sarkopenie, auch unter uns Ärzten, bislang eher gering“, stellt er fest. Dabei könne man den Muskelschwund in gewissen Grenzen entgegenwirken: „Muskelaufbau ist bis ins höchste Alter möglich“, stellt er fest. Deshalb rät er, jede Gelegenheit zu nutzen, um körperlich aktiv zu sein. „Gerade ältere Menschen, die ohnehin viel sitzen, sollten längere Sitzperioden regelmäßig durch Aufstehen und ein paar Schritte Gehen für wenige Minuten unterbrechen.“ Optimal wäre eine gezielte körperliche Aktivität von 150 Minuten pro Woche, aufgeteilt in fünf Einheiten an verschiedenen Tagen.

Mit guter Ernährung lasse sich die Sarkopenie ebenfalls bremsen. „Im Alter kann der Körper Eiweiß schlechter verwerten. Gleichzeitig benötigt er mehr davon“, erklärt der Geriater. Proteine sind essentielle Bausteine für Muskelgewebe. „Deshalb sollten ältere Menschen gezielt mehr davon zu sich nehmen.“ Er empfiehlt eine tägliche Proteinzufuhr von 1,0–1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht (bei ausgezehrten Zuständen sogar noch etwas mehr). Dies ist mehr als die für gesunde Erwachsene empfohlene Menge von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Häufig sei dies nur durch die zusätzliche Einnahme von proteinreichen Nahrungsergänzungen erreichbar, welche vom behandelnden Arzt verordnet werden können. Aber auch Buttermilch enthalte in recht hoher Konzentration das Protein Leuzin, das den Muskelaufbau unterstütze. Vitamin D habe sich ebenfalls zum Muskelerhalt und zur Stärkung der Knochensubstanz als wirkungsvoll erwiesen. Hier empfiehlt der Altersmediziner die Einnahme von täglich mindestens 800 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D. Aktuell werde zur Wirkung weiterer Nährstoffgaben zum Aufhalten des Muskelabbaus geforscht. Für eine abschließende Empfehlung sei es jedoch noch zu früh.

„Sarkopenie als Risikofaktor für funktionelle Einbußen sollte angegangen werden, bevor die Patienten irreversible Einschränkungen erleiden“, sagt auch Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Rückwirkend sei es viel schwerer, verlorenes Terrain zurück zu gewinnen. „Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft ist hier ein Umdenken aller Beteiligten – Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Patienten – in Richtung Prävention erforderlich.“

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Fragen an Professor Sieber:

 

Woran erkennt man, dass eine Sarkopenie vorliegt?

„Bei Sarkopenie sind Muskelmasse, Muskelkraft – etwa die Greifkraft der Hände – und die Muskelfunktion – zum Beispiel die Gehgeschwindigkeit des Patienten oder die Fähigkeit, vom Stuhl aufzustehen – vermindert. Ein Durchmesser des Unterschenkels von weniger als 31 cm ist ebenfalls ein Hinweis für das Vorliegen einer Sarkopenie.“

 

Wie sieht die optimale Ernährung im Alter aus? Worauf sollte man besonders achten?

„Eine ausgewogene mediterrane Ernährung ist optimal. Dazu gehören viel Gemüse und Obst, Olivenöl, Eier und Nüsse. Das Eiweiß sollte mehr aus Pflanzen und Fisch stammen, als aus rotem Fleisch. Auch ein moderater Weinkonsum ist erlaubt. Eine angemessene Kalorienzufuhr von 25–30 Kcal pro Kilogramm Körpergewicht sowie etwa 1,5 Liter Flüssigkeitszufuhr sind gerade im Alter wichtig.“

 

Welche Proteinergänzungsnahrung ist zum Muskelaufbau im Alter geeignet? Kann ich Proteinpräparate für Sportler verwenden?

„Die tägliche Proteinzufuhr sollte 1,0–1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht betragen. Daneben zeigen sogenannte „fast proteins“ einen besonders guten Muskelaufbauenden (anabolen) Effekt. Hier wird aktuell zumeist das Leuzin eingesetzt, das etwa in recht hoher Konzentration in Buttermilch enthalten ist (siehe auch die unten aufgeführte Studie PROVIDE).“

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Quellen:

Ute Hoffmann, Cornel C. Sieber: Ist Alter eine Komorbidität? Dtsch med Wochenschr 2017; 142(14): 1030–1036

Download unter: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0042-109861.pdf?cooperation=ommHY2aUJ56y4HLbvrq7PC9X9tZxgW0DqwdzrCgN

Tobias Braun, Christian Thiel, Ralf-Joachim Schulz, Christian Grüneberg: Diagnostik und Behandlung physischer Frailty. Dtsch med Wochenschr 2017; 142(02): 117–122

DOI: 10.1055/s-0042-101631 Download unter: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0042-101631.pdf?cooperation=ommHY2aUJ56y4HLbvrq7PC9X9tZxgW0DqwdzrCgN

Cruz-Jentoft AJ , Kiesswetter E, Drey M, Sieber CC. Nutrition, frailty and sarcopenia. Aging Clin Exp Res 2017;29:43-48

Deutz NE., Bauer JM., Barazzoni R., Biolo G.  et al.: Protein intakte and exercise for optimal muscle function with aging: recommendations from the ESPEN Expert Group. Clin Nutr 2014;33:929-936

Kemmler W., Teschler M., Weissenfels A., Sieber C. et al.: Prevalence of sarcopenia and sarcopenic obesity in older German men using recognized defnitions: high accordance but low overlap!. Osteoporos Int 2017;28:1881-1891

Verlaan S, Maier AB, Bauer JM, Bautmans J, et al. Sufficient levels of 25-hydroxyvitamin D and protein intake required to increase muscle mass in sarcopenic older adults – The PROVIDE study. Clin Nutr 2017;pii: S0261-5614(17)30010-9

Künstliches Kniegelenk: Bis zu zwanzig Prozent der Patienten sind nicht zufrieden

Bis zu zwanzig Prozent der Patienten, die mit einem künstlichen Kniegelenk leben, sind mit ihrer Knie-Prothese nicht zufrieden1. Lockerungen, Infektionen, aber auch Bewegungseinschränkungen und Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen. Da viele der Probleme in Zusammenhang mit bereits bestehenden Grunderkrankungen auftreten, fordert die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) eine bessere Aufklärung der Patienten vor der Entscheidung für den Eingriff. Dazu gehört das Abwägen der individuellen Risiken gegenüber den Vorteilen, aber auch das Korrigieren unrealistischer Erwartungen an das Implantat. In jedem Fall müssen vor einer Prothesenimplantation alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft worden sein.

 Im Jahr 2016 haben etwa 187 000 Patienten ein künstliches Kniegelenk erhalten2. Über 96 Prozent der Implantate leisten ihren Dienst länger als 15 Jahre. Sie ermöglichen Aktivität auch in höherem Alter und haben so entscheidenden Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten. „Eine gute Funktion und ein natürliches Gelenksgefühl, das sogenannte „forgotten knee“, sind deshalb unser erklärtes Ziel bei einer Knieprothese“, so Professor Dr. med. Henning Windhagen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE). Dennoch könne ein Implantat den natürlichen Knochen nie vollständig ersetzen. „Darüber sollten sich die Patienten vorher im Klaren sein“, so Windhagen, der Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im DIAKOVERE Annastift ist.

Vielmehr gelte es, sich vor der Entscheidung mit den individuellen Risiken und Erwartungen auseinanderzusetzen und im ausführlichen Gespräch mit dem Arzt die Fürs und Widers einer Knieprothese abzuwägen. Gegebenenfalls sollte man auch eine Zweitmeinung einholen: „Die moderne Indikationsstellung zur Knieprothese bedeutet eine gemeinsame Entscheidung, bei der auch die Alternativen zur Operation genannt werden“, betont Windhagen. So stellen etwa starkes Übergewicht und Begleiterkrankungen wie Gicht, Diabetes, Rheuma und neurologische Erkrankungen wie Parkinson ein erhöhtes Risiko für ein Implantatversagen dar. Auch chronische Entzündungen, etwa der Blase, sollten vorher ausheilen. „Ebenso hat die psychische Verfassung einen starken Einfluss auf die Zufriedenheit mit einer Prothese“, so Windhagen. Depressionen etwa hätten mitunter zur Folge, dass ein Patient per se unzufrieden sei und auch leichte Beschwerden nicht tolerieren könne.

Zu einer guten Prothesenfunktion gehört auch ein verantwortungsvolles Verhalten der Patienten. „Extremsport sollte vermieden werden“, nennt Windhagen ein Beispiel. Sonst drohten frühzeitige Abnutzung und Lockerung des Implantates. „Zudem ist erhöhte Wachsamkeit bei Infekten wie Wunden, Abszessen oder Zahnentzündungen wesentlich für die Haltbarkeit der Prothese“, betont der Orthopäde. Bakterien könnten im Körper streuen, das Implantat besiedeln und damit infizieren.

Auch der körperliche Ausgangszustand der Patienten hat Auswirkungen: „Je besser die Beweglichkeit und Funktion vor der OP waren, desto besser sind sie in der Regel auch nach der OP“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE aus Braunschweig.

Heller, der Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist, rät seinen Patienten zudem zu Geduld: „Die vollständige Rehabilitation zieht sich etwa zwei Jahre hin. So lange verbessert sich die Funktion von Gelenk und Muskelapparat.“ Es gilt also, sich Schritt für Schritt ein gutes Bewegungsspektrum zurückzuerobern.

Quellen:

1        Gunaratne R, Pratt DN, Banda J, Fick DP, Khan RJK, Robertson BW: Patient Dissatisfaction Following Total Knee Arthroplasty: A Systematic Review of the Literature, J Arthroplasty. 2017 Jul 21. pii: S0883-5403(17)30619-8. doi: 10.1016/j.arth.2017.07.021

2        Statistisches Bundesamt: Die 20 häufigsten Operationen insgesamt – Vollstationär behandelte Patientinnen und Patienten in Krankenhäuser 2016 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/DRGOperationenInsgesamt.html

 

19. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) am 1./2. Dezember 2017 in Hamburg – Pressekonferenz am 30. November 2017