Grüner Star bei Neugeborenen: Bei diesen Hinweisen sollten Eltern zum Augenarzt

Ein angeborener Grüner Star führt unbehandelt schnell zu Sehstörungen und Erblindung. Eltern sollten deshalb bei ungewöhnlich großen Augen des Neugeborenen, einem blau-grünlichen Schimmern der Iris, Lichtscheu und häufigem Augenreiben rasch einen Augenarzt aufsuchen. Eine frühe Operation stoppt die Erkrankung in 80 Prozent aller Fälle. „Grüner Star bei Neugeborenen: Bei diesen Hinweisen sollten Eltern zum Augenarzt“ weiterlesen

Uveitis und Skleritis: Biologika helfen bei schweren Augenentzündungen

Seit kurzem stehen zur Behandlung von schweren Augenentzündungen auch Biologika und Biosimilars zur Verfügung. Bei zwei Dritteln der Patienten mit Uveitis oder Skleritis schlagen die Medikamente erfolgreich an und halten eine Sehverschlechterung auf. Auch für Kinder können die Substanzen eine sinnvolle Alternative zur Kortisontherapie sein. 

Biologika sind gentechnisch hergestellte Substanzen, die gezielt Botenstoffe in einer Entzündung blockieren, und stammen ursprünglich aus der Rheumatologie. Seit dem Jahr 2016 sind Adalimumab und seit 2018 mehrere Biosimilars, preiswerte Nachahmerprodukte, auch zur Therapie der Gefäßhaut des Auges zugelassen. Skleritis und Uveitis machen etwa fünf bis zehn Prozent der Erblindungen in Deutschland aus. „Es ist sehr begrüßenswert, dass uns Biologika und Biosimilars eine neue Behandlungsoption für schwere, chronische Augenentzündungen an die Hand geben“, sagt Professor Dr. med. Claus Cursiefen, Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Bei den Augenentzündungen Skleritis und Uveitis besteht die Gefahr, dass durch zusätzliche Komplikationen eine Sehverschlechterung auftritt. Bis vor kurzem wurden die beiden Erkrankungen zu Beginn zunächst mit Kortisonpräparaten behandelt, zugleich aber auch konventionelle immunmodulierende Medikamente hinzugenommen – diese Präparate sollen das fehlgeleitetete Immunsystem und damit die Entzündungsaktivität bremsen. „Diese immunmodulierenden Medikamente setzen allerdings mit verzögerter Wirkung ein und müssen zudem aus Unverträglichkeitsgründen häufig abgesetzt werden“, berichtet Professor Dr. med. Carsten Heinz vom Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster.

Bei Biologika oder Biosimilars hingegen, die intravenös oder als Spritze ins Fettgewebe in Intervallen von zweimal wöchentlich bis monatlich verabreicht werden, setzt die Wirkung rascher ein. Die prospektive, randomisierte Zulassungsstudie zu einer Unterform der Uveitis zeigte: Bei zwei Dritteln der Patienten war die Therapie mit Biologika erfolgreich – die Entzündung konnte eingedämmt werden, und es kam zu keiner Komplikation wie ein Makula-Ödem. „Eine solche Wassereinlagerung an der Stelle des schärfsten Sehens verschlechtert das Sehvermögen, deshalb muss sie unterdrückt werden“, betont Heinz. „Biologika verhindern ein Ödem oder führen sogar zu dessen Rückbildung.“ Unverträglichkeiten tragen selten auf.

Das Medikament Adalimumab ist auch zur Behandlung von Kindern zugelassen, die an einer Uveitis des vorderen Augensegments leiden. Die Leitlinie empfiehlt eine Stufentherapie, die mit Kortison-Augentropfen beginnt, gefolgt von konventionellen Medikamenten. Kortisontabletten und Kortison-Augentropfen können jedoch auch bei Kindern einen Grünen oder Grauen Star fördern, zudem Wachstumsstörungen auslösen. „Ist dies der Fall oder leiden die Kinder zusätzlich an Rheuma, kommen auch Biologika oder Biosimilars in Frage“, so Heinz. Sie werden in der Regel gut vertragen. Die Therapie ist allerdings teuer: Die Kosten für Biologika belaufen sich auf etwa 21.000 Euro pro Jahr, für Biosimilars auf rund 13.500 Euro.

 

Schmerzen bei trockenen Augen: helfen Cannabis-Augentropfen?

Fast jeder Zehnte leidet in Deutschland an Trockenen Augen und damit häufig an chronischen, starken Schmerzen. Auf der Suche nach einer wirksamen und nebenwirkungsarmen Schmerztherapie haben Forscher jetzt Augentropfen mit Cannabiswirkstoffen entwickelt. Die ersten Studienergebnisse sind vielversprechend, in Kürze soll die Wirkung an Patienten getestet werden. „Schmerzen bei trockenen Augen: helfen Cannabis-Augentropfen?“ weiterlesen

Grüner Star: Mini-Implantate verhindern Erblindung

Das Glaukom, der Grüne Star,  ist die weltweit zweithäufigste Ursache für Erblindung. Experten schätzen, dass im Jahr 2020 bereits etwa 11,2 Millionen Menschen aufgrund eines Glaukoms erblindet sein werden. Der Grüne Star kann seit kurzem durch eine minimal-invasive Operation mithilfe von Mini-Implantaten effektiv therapiert werden – der Eingriff verhindert eine sukzessive Erblindung des Patienten.

 

Jedes Jahr erblinden 1000 Deutsche aufgrund eines Glaukoms. Bei dieser chronisch fortschreitenden Augenerkrankung wird der Sehnerv meist durch einen erhöhten Augeninnendruck geschädigt. Der Druck entsteht, weil das Kammerwasser im Auge nicht mehr gut abfließen kann. „Die meisten Patienten werden mit Tropfen behandelt, die den Augeninnendruck senken“, erklärt Professor Dr. med. Thomas Kohnen, Präsident der DOG und Direktor der Universitätsaugenklinik Frankfurt/Main im Vorfeld der DOG 2017. Helfen die Medikamente nicht, muss operiert werden, um eine Erblindung zu umgehen. Eine neue minimal-invasive Methode mit kleinen Implantaten vereinfacht den Glaukom-Eingriff nun und lässt das Kammerwasser effektiver abfließen.

Diese in der Medizin weltweit kleinsten Implantate werden mithilfe eines Mikroskops durch einen kleinen Schnitt ins Auge eingesetzt. „Sie haben die Form winziger Röhrchen, nicht viel dicker als ein Haar, durch die das gestaute Kammerwasser aus dem Auge heraus geleitet wird“, erläutert DOG-Experte Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsmedizin Mainz. Die Augenchirurgen platzieren die Mini-Stents in die feinen Abflusskanälchen des Kammerwassersystems unter die Lederhaut oder unter die Bindehaut. Der Schnitt durch den Chirurgen ist so minimal, das er nicht genäht werden muss. Die Experten sprechen deshalb auch von „Minimalinvasiver Glaukomchirurgie“, kurz: MIGS.

„Von diesem schonenden Eingriff profitieren insbesondere hochbetagte Patienten und solche, bei denen Augeninnendruck senkende Tropfen nicht oder nur unzureichend wirken, die sie nicht vertragen oder die sie nicht täglich und korrekt anwenden können“, so Pfeiffer. Zudem können die Implantate im Rahmen einer Grauer-Star-Operation eingebracht werden – etwa 80 Prozent aller über 80-Jährigen leiden an einer solchen Linsentrübung, die einen Eingriff erforderlich macht. „Die minimalinvasiven Glaukomimplantate können die extrem schwerwiegende Erblindung im hohen Alter, die auch heute noch in Deutschland vorkommt, verhindern“, betont Pfeiffer. Zudem entlaste sie Patienten in ihrer Therapie.

In Deutschland finden jährlich rund 60.000 Glaukom-Operationen statt. Anlässlich der DOG 2017 in Berlin weisen die Experten darauf hin, dass in den Industrienationen weiterhin die Dunkelziffer nicht erkannter Glaukomerkrankungen zu hoch ist. Durch Vorsorgeuntersuchungen und damit verbundene Früherkennung könnten viele Erblindungen vermieden werden.

DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft: Pressekonferenz zur DOG 2017, 28.September bis 1. Oktober 2017, Berlin

Sehen im Alter: Sonnenbrille, Sehtest und frühzeitige Therapie

Starker Sehverlust im Alter ist oft vermeidbar. Dazu gehörten etwa das Tragen einer Sonnenbrille von Kindesbeinen an, Nikotinabstinenz und eine gesunde Lebensführung mit vitaminreicher Ernährung. Ab dem vierten Lebensjahrzehnt ist es ratsam, seine Augen regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren zu lassen.

Rechtzeitig erkannt und behandelt, stehen heute für die meisten der „klassischen“ altersbedingten Augenkrankheiten wirksame Therapien zur Verfügung. Doch obwohl Früherkennung möglich ist und zielgerichtete Behandlungen verfügbar sind, kommen diese gerade bei älteren Menschen nicht systematisch und flächendeckend zum Einsatz.

Wie wichtig gutes Sehen für die Lebensqualität ist, erfahren Menschen oft erst, wenn ihr Sehvermögen nachlässt. Selbst bei Senioren, die körperlich noch völlig fit sind, kann ein Sehverlust massive Auswirkungen haben. „Dann drohen schnell ernsthafte Einschränkungen von Lebensqualität, Selbstständigkeit und allgemeiner Gesundheit, etwa durch soziale Isolation, Stürze und Knochenbrüche“, sagt DBSV-Präsidentin Renate Reymann. Daher sollten Senioren nicht erst bei plötzlich auftretenden Sehproblemen, sondern regelmäßig einen Augenarzt aufsuchen. Ist ein dauerhafter Sehverlust eingetreten, sollten sie zudem frühzeitig eine gezielte Beratung zu Hilfsmitteln und Unterstützungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen, so der DBSV.

Prävention des altersbedingten Sehverlustes könne jeder betreiben, sagt Prof. Focke Ziemssen. Dazu gehörten etwa das Tragen einer Sonnenbrille von Kindesbeinen an, Nikotinabstinenz und eine gesunde Lebensführung mit vitaminreicher Ernährung. Ab dem vierten Lebensjahrzehnt sei es ratsam, seine Augen regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren zu lassen. „Frühe Hinweise auf eine Augenschädigung, etwa durch ein Glaukom, Makula-Degeneration, Diabetes oder Bluthochdruck, werden von Patienten selbst nämlich zunächst gar nicht wahrgenommen“, so der Augenarzt. Meist gibt es ein familiäres Risiko. „Wenn dann irreversible Schädigungen eingetreten sind, ist es zu spät.“ Viele ältere Menschen verlieren unnötigerweise ihre Sehkraft, weil es an Versorgungsstrukturen manget, meint auch Renate Reymann.

Pressekonferenz und 2. Fachtagung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) in Bonn, 7./8. Juli 2017