Genauer, schneller, strahlungsärmer: Myokard-Szintigrafie

Mit der Myokard-Szintigrafie kann ein Nuklearmediziner rasch prüfen, ob der Herzmuskel in Ruhe oder unter Belastung ausreichend durchblutet wird und eine Herzkatheter-Untersuchung erforderlich ist. Dank technischer Fortschritte konnte die Strahlenexposition vermindert und die Untersuchungsdauer für die Patienten auf weniger als ein Viertel der ursprünglichen Zeit verkürzt werden, mithin auf wenige Minuten. Das bildgebende Verfahren ist eine Kassenleistung. „Genauer, schneller, strahlungsärmer: Myokard-Szintigrafie“ weiterlesen

E-Autos, Smartphones und Co. : Wer stört Herzschrittmachern und implantierte Defibrillatoren?

Können elektromagnetische Felder, die durch Geräte in unserem privaten und beruflichen Alltag entstehen, Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren stören? Und wie gefährlich sind diese Einflüsse?  Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) fasst die aktuelle Studienlage zu dem Thema zusammen.

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Bauchaortenaneurysma: Ultraschall-Screening für Männer über 65 Jahre ab sofort Kassenleistung

Seit Beginn des Jahres haben gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren Anspruch auf ein einmaliges Ultraschallscreening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) begrüßt diese Entscheidung, da insbesondere Männer in diesem Alter ein erhöhtes Risiko für diese gefährliche und häufig unerkannte Erkrankung aufweisen. Die Fachgesellschaft fordert jedoch, auch Frauen sowie Patienten ab 55 Jahren mit einem besonderen Risikoprofil wie etwa Diabetes oder Rauchen einzubeziehen. „Bauchaortenaneurysma: Ultraschall-Screening für Männer über 65 Jahre ab sofort Kassenleistung“ weiterlesen

Brustschmerzen bei Minusgraden können Warnzeichen für Herzinfarkt sein

Wer bei klirrender Kälte vor die Tür tritt und beim Einatmen Schmerzen oder ein Brennen im Brustkorb spürt, sollte besser einen Arzt aufsuchen. Denn es könnte sich dabei um einen Anfall von Kälteangina handeln, ein Zeichen für eine ernste Herzerkrankung. Wie groß die Gefahr eines Herzinfarktes ist und ob ein vorbeugender Eingriff erfolgen muss, klärt eine Myokardszintigraphie. Die nuklearmedizinische Untersuchung kann einen Herzinfarkt mit 99-prozentiger Sicherheit ausschließen und unnötige Herzkatheter-Untersuchungen verhindern. Darauf weist der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) hin.

Winterkälte setzt dem Herzen zu. Die Minustemperaturen verengen die Gefäße, und das Herz muss das Blut gegen einen erhöhten Widerstand pumpen. „Sind die Gefäße schon vorgeschädigt, kann das zu einer Durchblutungsstörung führen“, erklärt Professor Dr. med. Detlef Moka, Vorsitzender des BDN. „Ein daraus resultierender Sauerstoffmangel äußert sich mit plötzlicher Atemnot, Brennen, Schmerzen oder Druckgefühl im Brustkorb.“

Ob tatsächlich Grund zur Sorge besteht, klärt eine Myokardszintigrafie. Die Untersuchung kann ambulant erfolgen und macht sichtbar, ob und wie stark die Nährstoffversorgung des Herzmuskels eingeschränkt ist. Dazu erhält der Patient ein schwach radioaktiv markiertes Medikament in die Vene gespritzt, das sich vorübergehend im Herzmuskel anreichert und die Sauerstoffsättigung widerspiegelt. „So können wir das Ausmaß der Durchblutungsstörung bestimmen“, erläutert Moka. Zugleich erkennen die Ärzte, ob Lebensstiländerung, Herzmedikamente, eine Gefäßerweiterung oder Bypass-Operation als Therapie in Frage kommen.

Zu den Pluspunkten der Untersuchung zählt ihre Prognosesicherheit. „Findet der Nuklearmediziner keine Durchblutungsstörung des Herzens, ist die Gefahr eines Infarktes selbst bei Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen mit fast 99-prozentiger Sicherheit ausgeschlossen“, betont der BDN-Vorsitzende. Darüber hinaus verhindert die Myokardszintigraphie invasive Herzkatheter-Untersuchungen. Wie die britische CE-MARC2-Studie mit insgesamt 1202 Teilnehmern zeigte, reduziert die Myokardszintigraphie die Rate unnötiger Herzkatheter-Untersuchungen um den Faktor vier. „Damit kann vielen Patienten eine Koronarangiographie erspart werden, ohne ein Risiko einzugehen“, so Moka.

Wer bereits weiß, dass er an verengten Herzkranzgefäßen leidet, sollte körperliche Anstrengungen bei Kälteeinbrüchen vermeiden. „Sport nur in Innenräumen treiben und das Schneeschippen anderen überlassen“, rät Moka. Etwa eine Million Menschen leiden in Deutschland an verengten Herzkranzgefäßen, an einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Dass im Winter mehr Menschen an einem Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod sterben, bestätigen inzwischen Studien aus den USA, Kanada und Holland.

Die Myokardszintigrafie ist eine Kassenleistung. Ihre Strahlenbelastung entspricht einer CT-Untersuchung des Oberkörpers. Das radioaktive Kontrastmittel scheidet der Körper nach wenigen Stunden mit dem Urin und Stuhl wieder aus.

Quellen:
John P. Greenwood et al.: Effect of Care Guided by Cardiovascular Magnetic Resonance, Myocardial Perfusion Scintigraphy, or NICE Guidelines on Subsequent Unnecessary Angiography Rates. JAMA, doi:10.1001/jama.2016.12680
http://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2546718

Herzschwäche: Ursache liegt oftmals in den Herzklappen

Aktuellen Zahlen zufolge gelten Erkrankungen des Herz-Kreiskreislauf-Systems als Todesursache Nummer eins in Deutschland. Nach Angaben des Deutschen Herzberichts steigt dabei unter anderem die Anzahl der an Herzinsuffizienz erkrankten Patienten kontinuierlich. „Oftmals liegt das Problem in den Klappen“, weiß Dr. Stefan Wiedemann, Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin II im HELIOS Klinikum Pirna und fügt hinzu: „Diese sind verantwortlich für die Steuerung des Blutstroms innerhalb des Herzens und der Arterien in nur eine Richtung.“

Kommt es zu einer Verengung oder auch einer Undichtigkeit der Klappen, fließt das Blut in die falsche Richtung, was fatale Folgen haben kann. Abhängig davon welche Herzklappe betroffen ist, leiden Patienten an verschiedenen Symptomen und auch die Therapiemöglichkeiten unterscheiden sich voneinander. Anhand der wichtigsten drei Herzklappen werden diese im Folgenden beschrieben.

 

Ursprung Hauptschlagader: Die Aortenklappe

Im Fall der Aortenklappe, welche zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader Aorta liegt, kann eine Stenose – eine Verengung – dazu führen, dass sich das Herz vergrößert, um den Körper trotz der erhöhten Belastung mit genügend Blut zu versorgen. Dauert die Überlastung an, staut sich das Blut in die Lunge zurück. Zudem muss der vergrößerte Muskel mit mehr Sauerstoff versorgt werden. Geschieht dies nicht, äußert sich der Mangel in Form von Brustschmerzen, einer sogenannten Angina Pectoris. Weitere häufige Symptome stellen eine Leistungsminderung sowie Luftnot dar. Schließt die Aortenklappe hingegen nicht mehr richtig, sprechen Mediziner von einer Aortenklappeninsuffizienz. Hierbei fließt ein Teil des Blutes aus dem Körperkreislauf zurück in die linke Herzkammer, wodurch es zu einer übermäßigen Belastung der linken Herzhälfte kommt, aus der sich mit der Zeit eine Herzschwäche entwickeln kann. Bei einer geringen Klappeninsuffizienz ist oftmals keine Therapie erforderlich, jedoch sollte regelmäßig ein Arzt aufgesucht werden und alle ein bis zwei Jahre ein Herzultraschall erfolgen. Bei einer schweren Stenose oder Insuffizienz der Aortenklappe empfiehlt es sich die Klappe entweder durch eine mechanische oder  biologische  Herzklappe zu ersetzen. Für Patienten über 75 Jahre oder Patienten, bei denen eine Operation am offenen Herzen nicht infrage kommt, gibt es zudem eine Alternative: den kathetergeführten minimalinvasiven Klappenersatz TAVI. „Hierbei wird die Ersatzklappe in zusammengefaltetem Zustand mittels Katheter über die Leistenarterie bis ins Herz vorgebracht. Dort erfolgt dann die Implantation“, erklärt Dr. Wiedemann. Patienten können die Klinik im Anschluss nach wenigen Tagen wieder verlassen.

 

Einlassventil im linken Herz: Die Mitralklappe

Zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer befindet sich die  Mitralklappe. Bei jedem Herzschlag sorgt sie dafür, dass sauerstoffreiches Blut aus der linken Herzkammer in den

Körperkreislauf gelangt und nicht wieder zurück in den linken Vorhof fließt. Im Fall einer Mitralstenose muss das Herz schwerer arbeiten, um das Blut in die linke Herzkammer zu drücken, was dauerhaft auch zu einem erhöhten Blutdruck führt. Eine Mitralinsuffizienz hingegen tritt häufig infolge einer sogenannten Herzschwäche auf. „Beide Erkrankungen lassen sich mittels eines chirurgischen Ersatzes korrigieren. Hierbei wird die defekte Mitralklappe rekonstruiert oder entfernt und durch eine mechanische oder biologische Prothese ersetzt“, so Dr. Wiedemann. Darüber hinaus gibt es bei der Therapie der Insuffizienz eine weitere innovative und schonende Methode: Beim sogenannten Clipping verbindet der Arzt die Segel, die das Ventil der Mitralklappe bilden, mit Hilfe einer Klammer,  Abbott’s MitraClip™ . Der Vorteil des minimalinvasiven Eingriffs gegenüber einer konventionellen Operation liegt darin, dass der Brustkorb nicht geöffnet werden muss und somit keine Herz-Lungen-Maschine benötigt wird. Welche Option die beste für einen Patienten ist, entscheidet der jeweils behandelnde Arzt gegebenenfalls gemeinsam mit seinen Kollegen, dem sogenannten Heart Team.

 

Zarte Segel: Die Trikuspidalklappe

Bei der dritten Herzklappe handelt es sich um die sogenannte Trikuspidalklappe. Diese befindet sich auf der rechten Herzseite und sorgt dafür, dass sauerstoffarmes Blut aus der rechten Herzkammer in den Lungenkreislauf gepumpt wird. Da eine Stenose der Trikuspidalklappe oftmals aus rheumatischem Fieber resultiert, tritt sie in dieser Form hierzulande nur noch selten auf. Eine Trikuspidalklappeninsuffizienz hingegen wird weitaus häufiger diagnostiziert. Als häufigste Ursache hierfür gilt eine zuvor bestehende Erkrankung der Herzklappen, hervorgerufen im linken Herzen. In leichter Form weist eine Trikuspidalklappeninsuffizienz zwar kaum Symptome auf, lässt sich aber mittels einer Echokardiographie leicht feststellen und erfordert in den meisten Fällen auch keine Behandlung. „In besonders schweren Fällen kann es nötig sein, die Trikuspidalklappe zu reparieren oder gänzlich auszutauschen“, berichtet Dr. Wiedemann. Zukünftig könnten auch kathetergestützte Eingriffe eine Alternative zu herkömmlichen Trikuspidalklappen-Operation darstellen. Derartige Verfahren werden derzeit noch in Studien geprüft.

 

Weitere Informationen zum Thema Herzschwäche und zu den einzelnen Herzklappen unter herzklappenhilfe.de.

 

Übergewicht und Adipositas: noch gefährlicher als angenommen

Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) ist noch gefährlicher als bisher angenommen: Das Risiko, an Herzkreislauf-Leiden zu erkranken, steigt mit zunehmendem Gewicht. Bei übergewichtigen Menschen ist es im Vergleich zu Menschen mit einem normalen BMI doppelt so hoch, bei schwer übergewichtigen Menschen sogar mehr als zehnfach höher als bei Normalgewichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie aus Europa und den USA, die jetzt aktuell im Fachmagazin Lancet Public Health veröffentlicht worden ist.

„Die Untersuchung zeigt, wie wichtig weltweit die Bekämpfung von Übergewicht ist und unterstreicht umso mehr die Forderungen nach einer wirkungsvollen bevölkerungsweiten Prävention“, betont Dr. Dietrich Garlichs, Sprecher der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK). „Unser Gesundheitswesen allein konnte der Herausforderung Adipositas bisher nicht erfolgreich begegnen“, ergänzt Professor Dr. med. Manfred James Müller, Vorstandssprecher des Kompetenznetzes Adipositas und Vertreter der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

In der Studie des Departments of Epidemiology and Public Health am University College London haben Wissenschaftler über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren die Daten von 120 813 Männern und Frauen ausgewertet. Im Verlauf der Untersuchung wurde deutlich, dass schon bei einer Adipositas Grad eins das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes, einer koronaren Herzerkrankung sowie eines Schlaganfalls deutlich steigt. Bei übergewichtigen Personen war es doppelt so hoch, bei Patienten mit einer Adipositas Grad eins bereits fünfmal höher und bei Auftreten einer schweren Adipositas des zweiten und dritten Grades sogar um das 15-fache gestiegen. Von „Übergewicht“ sprechen die Ärzte bei einem BMI zwischen 25 und unter 30 kg/m2. Ist der Wert über 30 sprechen sie von einer „Adipositas“. Diese wird noch einmal in verschiedene Schweregrade eingeteilt: Bei einem BMI zwischen 30 und 35 liegt eine Adipositas Grad eins vor, zwischen BMI 35 und 40 handelt es sich um eine schwere Adipositas zweiten Grades. Ist der BMI über 40, liegt eine besonders schwere Adipositas dritten Grades vor.

„Die Ergebnisse der Studie betonen die medizinische Notwendigkeit, Patienten mit Übergewicht und Gefäßerkrankungen frühzeitig auf Diabetes zu untersuchen und die Aufmerksamkeit ebenso auf die Prävention von Gefäßerkrankungen bei übergewichtigen Personen mit Diabetes zu lenken“, sagt Müller.

Weltweit hat sich seit 1980 die Rate der Adipositas in mehr als 70 Ländern verdoppelt. So waren laut einer Studie, die aktuell im New England Journal of Medicine vorgestellt wurde, im Jahr 2015 insgesamt 107,7 Millionen Kinder und 603,7 Millionen Erwachsene adipös. Global sind etwa vier Millionen Todesfälle auf die Ursache Übergewicht zurückzuführen – rund 70 Prozent der Todesfälle, die mit einem hohen Body-Mass-Index zusammenhingen, gingen auf das Konto von Herzkreislauf-Erkrankungen. „Diese dramatische Entwicklung zeigt die Dringlichkeit, mit Hilfe einer bevölkerungsweiten, präventiven Gesundheitsförderung und Regulierung, Lebensstile positiv zu beeinflussen und die Zunahme dieser Erkrankungen zu stoppen“, so Müller.

 

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) empfiehlt vor diesem Hintergrund in Anlehnung an Empfehlungen der Vereinten Nationen und der WHO vier wesentliche Maßnahmen für eine wirkungsvolle Prävention von Übergewicht und Adipositas in Deutschland:

  • Steuersenkung für gesunde Lebensmittel mit geringer Energiedichte und geringem Gehalt an Zucker, Fetten oder Salz;
  • Steuererhöhung für energiedichte Lebensmittel mit hohem, über den Empfehlungen liegendem Gehalt an Zucker, Fetten oder Salz;
  • ein Verbot für die Werbung ungesunder Lebensmittel und Getränke an Kinder (zumindest insoweit als diese die Nährwertprofile der WHO nicht erfüllen);
  • eine verpflichtende Kennzeichnung aller Lebensmittel durch ein für alle Bevölkerungsgruppen leicht verständliches, den Gehalt an Zucker, Fett, Salz und Energie klar kennzeichnendes
  • (Ampel-)System.

 

Quellen:

Lancet Public Health 2017; 2: e277–85:Overweight, obesity, and risk of cardiometabolic multimorbidity: pooled analysis of individual-level data for 120 813 adults from 16 cohort studies from the USA and Europe: http://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(17)30074-9/fulltext

The new england journal of medicine: June 12, 2017-DOI: 10.1056/NEJMoa1614362 Health Effects of Overweight and Obesity in 195 Countries over 25 Years:
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1614362#t=article

DANK-Strategiepapier: http://www.dank-allianz.de/files/content/dokumente/150612_DANK-Strategiepapier.pdf

DANK-Grundsatzpapier: http://www.dank-allianz.de/files/content/dokumente/DANK-Grundsatzpapier_ES.pdf