Durchbruch bei Kampf gegen Altersblindheit kann Kassen ruinieren

Bei der Behandlung der Hauptursache für irreversible Erblindung ist Medizinern offenbar ein entscheidender Durchbruch gelungen. Mit neuen Medikamenten kann die bösartige Form der sogenannten Makuladegeneration (feuchte AMD) erstmals wirksam behandelt werden, schreibt die ZEIT.

Fast eine Million älterer Menschen sind allein in Deutschland von der Netzhauterkrankung betroffen. Die Therapie mit dem Medikament Lucentis des US-Unternehmens Genentech werden allerdings Milliardenkosten verursachen. Sollte Lucentis, mit dessen Zulassung in kommenden Jahr zu rechnen ist, in die Erstattungspflicht gelangen, drohe den Krankenkassen der Kollaps. „Das“, prophezeit der Essener Augenmediziner Norbert Bornfeld, „wird die Kassen ruinieren“.

Die altersabhängige Makuladegeneration AMD ist die häufigste Ursache für die Erblindung im Alter. Erste Alarmzeichen sind in der Ferne nicht zu entziffernde Schilder. Fast 90 Prozent der Patienten leiden an der trockenen Form der AMD, die nicht therapierbar ist.

Stoffwechselbedingte Ablagerungen, so genannte Drusen, zerstören die Sinneszellen an der Stelle des schärfsten Sehens, auch der gelbe Fleck genannt, und verursachen so einen langsamen Verlust der Sehschärfe. Bei der feuchten AMD verliert der Betroffene dagegen rasch seine zentrale Sehkraft. Abnormale, undichte Blutgefässe wuchern in die Makula und sondern Flüssigkeit ab. Die Netzhaut schwillt an und löst sich zunehmend von der Gefäßhaut. Dadurch nimmt der Betroffene nur noch verzerrte Bilder wahr.

Diese schwerere Form der Netzhaut-Erkrankung lässt sich derzeit nur bei wenigen Patienten behandeln. Eine Laserbehandlung, die oft auch gesundes Gewebe zerstört, und die bessere Option, die so genannte photodynamische Therapie, können den Krankheitsverlauf nur verlangsamen und im besten Fall stoppen.

Experten erwarten jetzt von den Präparaten Macugen und Lucentis, die beide in umfangreichen Vorarbeiten im Labor entwickelt wurden, bessere Behandlungserfolge. “Macugen und Lucentis können potentiell mehr, als die uns derzeit zur Verfügung stehenden Therapien. Bei vielen Patienten bremst es die Erkrankung und bewirkt sogar in einzelnen Fällen eine Rückbildung und Abdichtung der wuchernden Blutgefässe”, sagt Professor Dr. Frank Holz, Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn.

Beide Wirkstoffe werden direkt in den hinteren Augenabschnitt, auch Glaskörper genannt, in Abständen von mehreren Wochen gespritzt. Dieser Eingriff wird ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführt und ist nicht schmerzhaft. Im Auge blockieren die Substanzen einen körpereigenen Botenstoff, das so genannte Wachstumshormon VEGF, und hemmen so die Gefäßneubildung.

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