Masernerkrankungen weltweit: Impfschutz auch für Reisende wichtig

Nicht nur Deutschland verzeichnet in diesem Jahr erneut Masern-Ausbrüche, auch aus Italien, Belgien, Österreich und Rumänien werden hohe Fallzahlen gemeldet. Stark betroffen ist auch der westafrikanische Staat Guinea. Das CRM Centrum für Reisemedizin rät Reisenden prinzipiell, im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung ihren Schutz durch Standardimpfungen zu prüfen und gegebenenfalls aufzufrischen oder etwa bei Masern nachzuholen.

„Masern gehören zu den Krankheiten, gegen die geimpft werden kann“, betont Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrums für Reisemedizin. „Da Masern nur beim Menschen vorkommen, könnten sie durch konsequentes Impfen sogar ausgerottet werden.“ Aufgrund schlechter Durchimpfungsraten treten sie in Entwicklungsländern häufig auf und nehmen dort oft einen tödlichen Verlauf.

Aber auch in Deutschland und anderen Ländern kommt es immer wieder zu andauernden Ausbrüchen, wie aktuell beispielsweise in Rumänien. Seit September 2016 gibt es dort einen Masernausbruch. Bis jetzt haben die Behörden 3799 Erkrankungen und 17 Todesfälle gemeldet. Österreich verzeichnet mit 69 Fällen bereits mehr als im vergangenen Jahr, Italien 238 Fälle aus 15 Regionen. Das Robert-Koch-Institut meldet für Deutschland 235 Fälle bis Anfang März, unter anderem aus Berlin, Leipzig und Duisburg.

„Einige Menschen in Deutschland nehmen die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standardimpfungen bewusst nicht wahr. Viele versäumen es aber auch einfach, sich um ihren Impfschutz zu kümmern“, sagt Professor Jelinek. „Eine reisemedizinische Beratung sollte daher auch immer ein Anlass sein, diesen zu überprüfen.“ Für Masern gilt: Eine vollständige Grundimmunisierung oder eine durchgemachte Maserninfektion verleihen eine lebenslange Immunität. Auf eine Immunisierung durch Erkrankung sollte man es aber nicht ankommen lassen. Masern sind zwar selbstlimitierend, klingen also ohne therapeutische Maßnahmen wieder ab, sie können aber mit schweren Symptomen einhergehen und lebensbedrohliche Folgeerkrankungen verursachen. „Etwa jeder tausendste Patient entwickelt eine Lungenentzündung oder eine Entzündung des Gehirns“, so Professor Jelinek. In einem von zehntausend Fällen kommt es zur sogenannten subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE). Diese Entzündung des gesamten Gehirns kann noch vier bis zehn Jahre nach einer Masernerkrankung auftreten und verläuft immer tödlich.

Gegen Masern steht ein Lebendimpfstoff zur Verfügung, der entweder in der Kombination Masern-Mumps-Röteln (MMR) oder Masern-Mumps-Röteln-Varizellen (MMRV) als Mehrfachimpfung verabreicht wird. Die STIKO empfiehlt für Kleinkinder eine zweimalige Immunisierung mit dem MMRV-Impfstoff, wobei die erste Injektion im Alter von 11 bis 14 Monaten und die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten erfolgen sollte. Zudem wird allen nach 1970 Geborenen, die älter als 18 Jahre sind und deren Impfstatus unklar ist, die nicht geimpft sind oder die in der Kindheit nur eine einzige Masern-Impfung erhalten haben, die einmalige Injektion des MMR-Impfstoffes empfohlen.

[b]Hintergrund: Masern[/b]

Masern sind hochansteckend und werden durch den gleichnamigen Virus hervorgerufen. Die Übertragung des Erregers erfolgt hauptsächlich durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen, aber auch durch Kontakt mit Sekreten erkrankter Personen. Erste Symptome sind Fieber, Bindehautentzündung, Erkältungsbeschwerden sowie ein Enanthem, ein Ausschlag im Bereich der Mundschleimhaut. Das charakteristische makulopapulöse Exanthem – knotig-fleckige Veränderungen der Haut – tritt erst wenige Tage später auf und klingt nach vier bis sieben Tagen von allein wieder ab. Eine Maserninfektion erhöht das Risiko für bakterielle Superinfektionen wie eine akute Mittelohrentzündung, eine Lungenentzündung oder eine Bronchitis. Auch das Auftreten einer akuten postinfektiösen Hirnhautentzündung sowie einer subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) ist möglich.

[i]Quellen

Robert-Koch-Institut, Ergänzung zum Epidemiologisches Bulletin 11/12 2017, Meldepflichtige Infektionskrankheiten, Aktuelle Statistik 9. Woche 2017 (Datenstand: 22. März 2017)
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/11-12_17_wotab.pdf?__blob=publicationFile

Update zu Masern der International Society for Infectious Diseases, 29. März 2017
http://www.promedmail.org/post/4934570
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