Herzschwäche: Ursache liegt oftmals in den Herzklappen

Aktuellen Zahlen zufolge gelten Erkrankungen des Herz-Kreiskreislauf-Systems als Todesursache Nummer eins in Deutschland. Nach Angaben des Deutschen Herzberichts steigt dabei unter anderem die Anzahl der an Herzinsuffizienz erkrankten Patienten kontinuierlich. „Oftmals liegt das Problem in den Klappen“, weiß Dr. Stefan Wiedemann, Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin II im HELIOS Klinikum Pirna und fügt hinzu: „Diese sind verantwortlich für die Steuerung des Blutstroms innerhalb des Herzens und der Arterien in nur eine Richtung.“

Kommt es zu einer Verengung oder auch einer Undichtigkeit der Klappen, fließt das Blut in die falsche Richtung, was fatale Folgen haben kann. Abhängig davon welche Herzklappe betroffen ist, leiden Patienten an verschiedenen Symptomen und auch die Therapiemöglichkeiten unterscheiden sich voneinander. Anhand der wichtigsten drei Herzklappen werden diese im Folgenden beschrieben.

 

Ursprung Hauptschlagader: Die Aortenklappe

Im Fall der Aortenklappe, welche zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader Aorta liegt, kann eine Stenose – eine Verengung – dazu führen, dass sich das Herz vergrößert, um den Körper trotz der erhöhten Belastung mit genügend Blut zu versorgen. Dauert die Überlastung an, staut sich das Blut in die Lunge zurück. Zudem muss der vergrößerte Muskel mit mehr Sauerstoff versorgt werden. Geschieht dies nicht, äußert sich der Mangel in Form von Brustschmerzen, einer sogenannten Angina Pectoris. Weitere häufige Symptome stellen eine Leistungsminderung sowie Luftnot dar. Schließt die Aortenklappe hingegen nicht mehr richtig, sprechen Mediziner von einer Aortenklappeninsuffizienz. Hierbei fließt ein Teil des Blutes aus dem Körperkreislauf zurück in die linke Herzkammer, wodurch es zu einer übermäßigen Belastung der linken Herzhälfte kommt, aus der sich mit der Zeit eine Herzschwäche entwickeln kann. Bei einer geringen Klappeninsuffizienz ist oftmals keine Therapie erforderlich, jedoch sollte regelmäßig ein Arzt aufgesucht werden und alle ein bis zwei Jahre ein Herzultraschall erfolgen. Bei einer schweren Stenose oder Insuffizienz der Aortenklappe empfiehlt es sich die Klappe entweder durch eine mechanische oder  biologische  Herzklappe zu ersetzen. Für Patienten über 75 Jahre oder Patienten, bei denen eine Operation am offenen Herzen nicht infrage kommt, gibt es zudem eine Alternative: den kathetergeführten minimalinvasiven Klappenersatz TAVI. „Hierbei wird die Ersatzklappe in zusammengefaltetem Zustand mittels Katheter über die Leistenarterie bis ins Herz vorgebracht. Dort erfolgt dann die Implantation“, erklärt Dr. Wiedemann. Patienten können die Klinik im Anschluss nach wenigen Tagen wieder verlassen.

 

Einlassventil im linken Herz: Die Mitralklappe

Zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer befindet sich die  Mitralklappe. Bei jedem Herzschlag sorgt sie dafür, dass sauerstoffreiches Blut aus der linken Herzkammer in den

Körperkreislauf gelangt und nicht wieder zurück in den linken Vorhof fließt. Im Fall einer Mitralstenose muss das Herz schwerer arbeiten, um das Blut in die linke Herzkammer zu drücken, was dauerhaft auch zu einem erhöhten Blutdruck führt. Eine Mitralinsuffizienz hingegen tritt häufig infolge einer sogenannten Herzschwäche auf. „Beide Erkrankungen lassen sich mittels eines chirurgischen Ersatzes korrigieren. Hierbei wird die defekte Mitralklappe rekonstruiert oder entfernt und durch eine mechanische oder biologische Prothese ersetzt“, so Dr. Wiedemann. Darüber hinaus gibt es bei der Therapie der Insuffizienz eine weitere innovative und schonende Methode: Beim sogenannten Clipping verbindet der Arzt die Segel, die das Ventil der Mitralklappe bilden, mit Hilfe einer Klammer,  Abbott’s MitraClip™ . Der Vorteil des minimalinvasiven Eingriffs gegenüber einer konventionellen Operation liegt darin, dass der Brustkorb nicht geöffnet werden muss und somit keine Herz-Lungen-Maschine benötigt wird. Welche Option die beste für einen Patienten ist, entscheidet der jeweils behandelnde Arzt gegebenenfalls gemeinsam mit seinen Kollegen, dem sogenannten Heart Team.

 

Zarte Segel: Die Trikuspidalklappe

Bei der dritten Herzklappe handelt es sich um die sogenannte Trikuspidalklappe. Diese befindet sich auf der rechten Herzseite und sorgt dafür, dass sauerstoffarmes Blut aus der rechten Herzkammer in den Lungenkreislauf gepumpt wird. Da eine Stenose der Trikuspidalklappe oftmals aus rheumatischem Fieber resultiert, tritt sie in dieser Form hierzulande nur noch selten auf. Eine Trikuspidalklappeninsuffizienz hingegen wird weitaus häufiger diagnostiziert. Als häufigste Ursache hierfür gilt eine zuvor bestehende Erkrankung der Herzklappen, hervorgerufen im linken Herzen. In leichter Form weist eine Trikuspidalklappeninsuffizienz zwar kaum Symptome auf, lässt sich aber mittels einer Echokardiographie leicht feststellen und erfordert in den meisten Fällen auch keine Behandlung. „In besonders schweren Fällen kann es nötig sein, die Trikuspidalklappe zu reparieren oder gänzlich auszutauschen“, berichtet Dr. Wiedemann. Zukünftig könnten auch kathetergestützte Eingriffe eine Alternative zu herkömmlichen Trikuspidalklappen-Operation darstellen. Derartige Verfahren werden derzeit noch in Studien geprüft.

 

Weitere Informationen zum Thema Herzschwäche und zu den einzelnen Herzklappen unter herzklappenhilfe.de.

 

Weihnachtsstress für die Zähne: Richtiges Naschen beugt Karies vor

Obwohl die Weihnachtszeit als besinnlich gilt, gestaltet sie sich für die Zähne sehr anstrengend. Denn Leckereien wie Lebkuchen, Schokolade und Glühwein schmecken nicht nur gut, ihr übermäßiger Genuss verursacht gleichzeitig Karies. Dr. Stephan Ziegler, leitender Zahnarzt und Gründer der KU64-Zahnarztpraxis aus Berlin, zeigt auf, wie sich die Zähne im Advent schützen lassen.

Süße Versuchungen

Winterliche Spezialitäten wie Dominosteine und Stollen gehören selbstverständlich zur Weihnachtszeit dazu, schaden den Zähnen allerdings durch ihren hohen Gehalt an Zucker. Dieser befindet sich jedoch nicht nur in Süßigkeiten, sondern auch in Glühwein und Punsch. Nach dem Verzehr wandeln Bakterien im Mundraum den Zucker in Säure um, die auf Dauer den Zahnschmelz angreift und im Laufe der Zeit Karies verursacht. Doch stärker als die Menge der zuckerhaltigen Lebensmittel wirkt sich die Häufigkeit der Naschereien auf die Zahngesundheit aus. „Isst man mehrere Plätzchen auf einmal, liegt kurzzeitig ein saurer pH-Wert im Mundraum vor, den der Speichel aber innerhalb einer halben Stunde neutralisiert. Wird allerdings über den ganzen Tag verteilt Süßes gegessen, entsteht immer wieder eine saure Umgebung, die dem Zahnschmelz nachhaltig schadet“, erklärt Dr. Ziegler. Also zum Wohle der Zähne lieber einmal am Tag die Keksdose öffnen, statt mehrmals zwischendurch zu naschen.

Schutz für die Zähne

Für gesunde Zähne stellt regelmäßiges Putzen die wichtigste Maßnahme dar. Mindestens zweimal am Tag für drei Minuten gilt hier als Richtlinie. Am besten erst eine halbe Stunde nach dem Essen die Zähne putzen, da der Verzehr von zucker- sowie säurehaltigen Nahrungsmitteln wie Orangen oder Mandarinen den Zahnschmelz kurzzeitig schwächt. Wer mit dem Griff zur Zahnbürste ein wenig wartet, gibt dem Schmelz Zeit, sich zu remineralisieren. „Zu einer gründlichen Mundhygiene gehört auch der Einsatz von Zahnseide oder Interdentalbürsten, die die Zahnzwischenräume reinigen. Denn dort lagern sich Essensreste ab, die eine herkömmliche Zahnbürste nicht erreicht“, betont der Experte. Im Anschluss entfernt eine Mundspüllösung Keime und sorgt für ein angenehmes Frischegefühl. Besteht nach dem Essen nicht die Möglichkeit des Putzens, trägt auch das Durchspülen des Mundes mit Wasser zur provisorischen Reinigung bei. Zudem helfen zuckerfreie Kaugummis und Bonbons die natürliche Speichelproduktion anzuregen und den pH-Wert im Mund wieder in einen neutralen Bereich zu bringen.

Wer sich in der Adventszeit an diese Tipps hält, muss auf dem Weihnachtsmarkt auf keine Köstlichkeiten verzichten. Allerdings tut es den Zähnen und letztendlich auch dem restlichen Körper gut, wenn Leckermäuler zwischendurch zu heißen Maronen statt gebrannten Mandeln oder einem Bratapfel mit Nüssen statt einem Liebesapfel greifen.

Weitere Informationen unter www.ku64.de

Schwäche, Sturzgefahr und Knochenbrüche: Altersproblem Muskelabbau wird oft unterschätzt

Ausreichend trainierte Muskulatur ist eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt von Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter. Der Rückgang von Muskelmasse und -funktion, die sogenannte Sarkopenie, führt zu Gebrechlichkeit, Schwäche und Balancestörungen. Stürze und Knochenbrüche können die Folge sein. Dennoch wird der altersbedingte Muskelabbau mit seinen gravierenden Auswirkungen für die Betroffenen immer noch unterschätzt: Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)  hin. Muskelerhalt und -aufbau sei bis ins hohe Alter möglich. Ärzte sollten deshalb immer die Muskelmasse ihrer Patienten im Blick haben und gegebenenfalls frühzeitig Bewegung, gezieltes Training sowie eine eiweißreiche Diät verordnen.

 Etwa ab dem 30. Lebensjahr beginnt ein physiologischer Umbau von Muskulatur in Fettgewebe von 0,3 bis 1,3 Prozent/Jahr. „Unternimmt man nichts dagegen, gehen so rund 30 bis 50 Prozent der Muskelmasse bis zum 80. Lebensjahr schleichend verloren“, sagt Professor Dr. med. Cornel C. Sieber, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg und Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Doch eine gute Muskulatur ist die Voraussetzung für körperliche Leistungsfähigkeit. „Sie ist auch entscheidend, um alltägliche Aktivitäten wie etwa Aufstehen, Anziehen, Treppensteigen oder Einkäufe selbstständig zu bewältigen“, sagt der Geriater. Auch helfe eine trainierte Muskulatur, die Sturzgefahr zu vermindern. Sie erhöhe die Widerstandskraft und trage dazu bei, Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel und Gehirnfunktionen aufrecht zu erhalten. Auch für die Erholung nach einer Operation ist ein gutes Muskelkorsett hilfreich: „Wenn der Patient aktiv mitarbeiten kann, gelingen Frühmobilisation und Rehabilitation besser.“

Sarkopenie: Der Körper „frisst“ sich selbst auf

„Dennoch ist das Problembewusstsein für Sarkopenie, auch unter uns Ärzten, bislang eher gering“, stellt er fest. Dabei könne man den Muskelschwund in gewissen Grenzen entgegenwirken: „Muskelaufbau ist bis ins höchste Alter möglich“, stellt er fest. Deshalb rät er, jede Gelegenheit zu nutzen, um körperlich aktiv zu sein. „Gerade ältere Menschen, die ohnehin viel sitzen, sollten längere Sitzperioden regelmäßig durch Aufstehen und ein paar Schritte Gehen für wenige Minuten unterbrechen.“ Optimal wäre eine gezielte körperliche Aktivität von 150 Minuten pro Woche, aufgeteilt in fünf Einheiten an verschiedenen Tagen.

Mit guter Ernährung lasse sich die Sarkopenie ebenfalls bremsen. „Im Alter kann der Körper Eiweiß schlechter verwerten. Gleichzeitig benötigt er mehr davon“, erklärt der Geriater. Proteine sind essentielle Bausteine für Muskelgewebe. „Deshalb sollten ältere Menschen gezielt mehr davon zu sich nehmen.“ Er empfiehlt eine tägliche Proteinzufuhr von 1,0–1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht (bei ausgezehrten Zuständen sogar noch etwas mehr). Dies ist mehr als die für gesunde Erwachsene empfohlene Menge von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Häufig sei dies nur durch die zusätzliche Einnahme von proteinreichen Nahrungsergänzungen erreichbar, welche vom behandelnden Arzt verordnet werden können. Aber auch Buttermilch enthalte in recht hoher Konzentration das Protein Leuzin, das den Muskelaufbau unterstütze. Vitamin D habe sich ebenfalls zum Muskelerhalt und zur Stärkung der Knochensubstanz als wirkungsvoll erwiesen. Hier empfiehlt der Altersmediziner die Einnahme von täglich mindestens 800 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D. Aktuell werde zur Wirkung weiterer Nährstoffgaben zum Aufhalten des Muskelabbaus geforscht. Für eine abschließende Empfehlung sei es jedoch noch zu früh.

„Sarkopenie als Risikofaktor für funktionelle Einbußen sollte angegangen werden, bevor die Patienten irreversible Einschränkungen erleiden“, sagt auch Professor Dr. med. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Rückwirkend sei es viel schwerer, verlorenes Terrain zurück zu gewinnen. „Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft ist hier ein Umdenken aller Beteiligten – Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Patienten – in Richtung Prävention erforderlich.“

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Fragen an Professor Sieber:

 

Woran erkennt man, dass eine Sarkopenie vorliegt?

„Bei Sarkopenie sind Muskelmasse, Muskelkraft – etwa die Greifkraft der Hände – und die Muskelfunktion – zum Beispiel die Gehgeschwindigkeit des Patienten oder die Fähigkeit, vom Stuhl aufzustehen – vermindert. Ein Durchmesser des Unterschenkels von weniger als 31 cm ist ebenfalls ein Hinweis für das Vorliegen einer Sarkopenie.“

 

Wie sieht die optimale Ernährung im Alter aus? Worauf sollte man besonders achten?

„Eine ausgewogene mediterrane Ernährung ist optimal. Dazu gehören viel Gemüse und Obst, Olivenöl, Eier und Nüsse. Das Eiweiß sollte mehr aus Pflanzen und Fisch stammen, als aus rotem Fleisch. Auch ein moderater Weinkonsum ist erlaubt. Eine angemessene Kalorienzufuhr von 25–30 Kcal pro Kilogramm Körpergewicht sowie etwa 1,5 Liter Flüssigkeitszufuhr sind gerade im Alter wichtig.“

 

Welche Proteinergänzungsnahrung ist zum Muskelaufbau im Alter geeignet? Kann ich Proteinpräparate für Sportler verwenden?

„Die tägliche Proteinzufuhr sollte 1,0–1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht betragen. Daneben zeigen sogenannte „fast proteins“ einen besonders guten Muskelaufbauenden (anabolen) Effekt. Hier wird aktuell zumeist das Leuzin eingesetzt, das etwa in recht hoher Konzentration in Buttermilch enthalten ist (siehe auch die unten aufgeführte Studie PROVIDE).“

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Quellen:

Ute Hoffmann, Cornel C. Sieber: Ist Alter eine Komorbidität? Dtsch med Wochenschr 2017; 142(14): 1030–1036

Download unter: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0042-109861.pdf?cooperation=ommHY2aUJ56y4HLbvrq7PC9X9tZxgW0DqwdzrCgN

Tobias Braun, Christian Thiel, Ralf-Joachim Schulz, Christian Grüneberg: Diagnostik und Behandlung physischer Frailty. Dtsch med Wochenschr 2017; 142(02): 117–122

DOI: 10.1055/s-0042-101631 Download unter: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0042-101631.pdf?cooperation=ommHY2aUJ56y4HLbvrq7PC9X9tZxgW0DqwdzrCgN

Cruz-Jentoft AJ , Kiesswetter E, Drey M, Sieber CC. Nutrition, frailty and sarcopenia. Aging Clin Exp Res 2017;29:43-48

Deutz NE., Bauer JM., Barazzoni R., Biolo G.  et al.: Protein intakte and exercise for optimal muscle function with aging: recommendations from the ESPEN Expert Group. Clin Nutr 2014;33:929-936

Kemmler W., Teschler M., Weissenfels A., Sieber C. et al.: Prevalence of sarcopenia and sarcopenic obesity in older German men using recognized defnitions: high accordance but low overlap!. Osteoporos Int 2017;28:1881-1891

Verlaan S, Maier AB, Bauer JM, Bautmans J, et al. Sufficient levels of 25-hydroxyvitamin D and protein intake required to increase muscle mass in sarcopenic older adults – The PROVIDE study. Clin Nutr 2017;pii: S0261-5614(17)30010-9

Künstliches Kniegelenk: Bis zu zwanzig Prozent der Patienten sind nicht zufrieden

Bis zu zwanzig Prozent der Patienten, die mit einem künstlichen Kniegelenk leben, sind mit ihrer Knie-Prothese nicht zufrieden1. Lockerungen, Infektionen, aber auch Bewegungseinschränkungen und Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen. Da viele der Probleme in Zusammenhang mit bereits bestehenden Grunderkrankungen auftreten, fordert die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) eine bessere Aufklärung der Patienten vor der Entscheidung für den Eingriff. Dazu gehört das Abwägen der individuellen Risiken gegenüber den Vorteilen, aber auch das Korrigieren unrealistischer Erwartungen an das Implantat. In jedem Fall müssen vor einer Prothesenimplantation alle anderen Therapieoptionen ausgeschöpft worden sein.

 Im Jahr 2016 haben etwa 187 000 Patienten ein künstliches Kniegelenk erhalten2. Über 96 Prozent der Implantate leisten ihren Dienst länger als 15 Jahre. Sie ermöglichen Aktivität auch in höherem Alter und haben so entscheidenden Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten. „Eine gute Funktion und ein natürliches Gelenksgefühl, das sogenannte „forgotten knee“, sind deshalb unser erklärtes Ziel bei einer Knieprothese“, so Professor Dr. med. Henning Windhagen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE). Dennoch könne ein Implantat den natürlichen Knochen nie vollständig ersetzen. „Darüber sollten sich die Patienten vorher im Klaren sein“, so Windhagen, der Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover im DIAKOVERE Annastift ist.

Vielmehr gelte es, sich vor der Entscheidung mit den individuellen Risiken und Erwartungen auseinanderzusetzen und im ausführlichen Gespräch mit dem Arzt die Fürs und Widers einer Knieprothese abzuwägen. Gegebenenfalls sollte man auch eine Zweitmeinung einholen: „Die moderne Indikationsstellung zur Knieprothese bedeutet eine gemeinsame Entscheidung, bei der auch die Alternativen zur Operation genannt werden“, betont Windhagen. So stellen etwa starkes Übergewicht und Begleiterkrankungen wie Gicht, Diabetes, Rheuma und neurologische Erkrankungen wie Parkinson ein erhöhtes Risiko für ein Implantatversagen dar. Auch chronische Entzündungen, etwa der Blase, sollten vorher ausheilen. „Ebenso hat die psychische Verfassung einen starken Einfluss auf die Zufriedenheit mit einer Prothese“, so Windhagen. Depressionen etwa hätten mitunter zur Folge, dass ein Patient per se unzufrieden sei und auch leichte Beschwerden nicht tolerieren könne.

Zu einer guten Prothesenfunktion gehört auch ein verantwortungsvolles Verhalten der Patienten. „Extremsport sollte vermieden werden“, nennt Windhagen ein Beispiel. Sonst drohten frühzeitige Abnutzung und Lockerung des Implantates. „Zudem ist erhöhte Wachsamkeit bei Infekten wie Wunden, Abszessen oder Zahnentzündungen wesentlich für die Haltbarkeit der Prothese“, betont der Orthopäde. Bakterien könnten im Körper streuen, das Implantat besiedeln und damit infizieren.

Auch der körperliche Ausgangszustand der Patienten hat Auswirkungen: „Je besser die Beweglichkeit und Funktion vor der OP waren, desto besser sind sie in der Regel auch nach der OP“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE aus Braunschweig.

Heller, der Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist, rät seinen Patienten zudem zu Geduld: „Die vollständige Rehabilitation zieht sich etwa zwei Jahre hin. So lange verbessert sich die Funktion von Gelenk und Muskelapparat.“ Es gilt also, sich Schritt für Schritt ein gutes Bewegungsspektrum zurückzuerobern.

Quellen:

1        Gunaratne R, Pratt DN, Banda J, Fick DP, Khan RJK, Robertson BW: Patient Dissatisfaction Following Total Knee Arthroplasty: A Systematic Review of the Literature, J Arthroplasty. 2017 Jul 21. pii: S0883-5403(17)30619-8. doi: 10.1016/j.arth.2017.07.021

2        Statistisches Bundesamt: Die 20 häufigsten Operationen insgesamt – Vollstationär behandelte Patientinnen und Patienten in Krankenhäuser 2016 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/DRGOperationenInsgesamt.html

 

19. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE) am 1./2. Dezember 2017 in Hamburg – Pressekonferenz am 30. November 2017

Chicken Nuggets: Antibiotikaresistente Keime auf dem Teller

Von Chicken Nuggets sollte man lieber die Finger lassen, rät ÖKO-TEST in der aktuellen November-Ausgabe. Die Gründe dafür sind unzählig: So fand das Labor beispielsweise in drei Proben Keime, gegen die einige Antibiotika nicht mehr wirken. Schuld daran ist, dass die Tiere aufgrund katastrophaler Haltungsbedingungen krank werden und massenhaft Antibiotika verabreicht bekommen. Und auch die Panade hat es in sich: Sie ist nicht nur eine Kalorienbombe, sondern steckt auch voller Schadstoffe.

ÖKO-TEST hat 14 Chicken-Nuggets-Proben im Labor analysieren lassen und die Hersteller mithilfe eines umfangreichen Fragebogens befragt. Das Verbrauchermagazin wollte genau wissen, woher das Fleisch stammt, wie die Hühner gelebt haben und ob das Fleisch etwa mit Keimen oder Fettschadstoffen belastet ist. Das Testergebnis ist in allen Punkten furchtbar.

In drei Proben sind antibiotikaresistente Keime enthalten. Teilweise handelt es sich dabei um sogenannte ESBL-bildende E.coli, die in der Medizin als besonders problematisch gelten, weil sie Enzyme bilden, die ein breites Spektrum wichtiger Antibiotika unwirksam machen. Zudem können sie die Resistenzeigenschaften auf andere Bakterien übertragen. Die untersuchten Produkte von Burger King waren mit Enterobakterien belastet, was bei empfindlichen Menschen Durchfallerkrankungen verursachen kann. In einer weiteren Marke fand das Labor Listerien, die besonders für Schwangere und ihre ungeborenen Babys gefährlich sein können.

Auch die Panade ist nicht gerade harmlos: In ihr stecken teilweise Fettschadstoffe, von denen einige als erbgutschädigend und möglicherweise krebserregend gelten. Manche können auch die Nieren schädigen und zu gutartigen Tumoren führen. Auch gesundheitsschädigende Mineralölrückstände analysierte das Labor. Dazu kommen noch erhöhte Salzgehalte, Aromen und Glutamat. Eine Mogelpackung ist das Produkt einer Fastfood-Kette: Dieses besteht zu 51 Prozent aus Panade.

Doch nicht nur die Inhaltsstoffe können einem den Appetit verderben. Auch die Tierhaltung ist grausam. Die Nicht-Bio-Tiere haben nur ein kurzes Leben, das gerade mal zwischen 28 und 48 Tagen lang ist. In dieser Zeit sehen sie kein Tageslicht und leben auf engstem Raum: Bis zu 20 Hühner sind im Schnitt auf nur einem Quadratmeter untergebracht. Da diese Haltungsbedingungen krank machen, bekommen sie Antibiotika und Kokzidiostatika gegen die gefürchtete Krankzeit Kokzidiose.

Die Produktion der Chicken Nuggets hat aber auch für Kleinbauern in Afrika Konsequenzen: Weil die Hersteller für den deutschen Markt nur Brustfleisch verarbeiten, wird das restliche Fleisch als Noch-billigeres-Billigfleisch in die ärmsten Länder der Welt verschifft, um dort mit Dumpingpreisen die lokalen Märkte kaputt zu machen.

Quelle: ÖKO-TEST-Magazin November 2017

Schmerzexperten warnen: Cannabis ist kein Allheilmittel in der Schmerztherapie

Die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft  (DMKG) weisen darauf hin, dass lediglich bei einem Bruchteil der Erkrankungen mit chronischen Schmerzen erwiesen ist, dass cannabisbasierte Arzneimittel helfen. Von einer Eigentherapie mit Cannabisblüten raten Experten ausdrücklich ab, da die Dosierungen ungenau seien und es zu unerwünschten, gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen kommen könne.

„Es besteht keine ausreichende Evidenz, dass cannabisbasierte Arzneimittel in der Therapie bei Tumorschmerzen, rheumatischen und gastrointestinalen Schmerzen oder bei Appetitlosigkeit bei Krebs und AIDS wirksam sind“, erklärt Professor Dr. med. Winfried Häuser, Kongresspräsident und Ärztlicher Leiter des Schwerpunktes Psychosomatik der Klinik Innere Medizin I des Klinikums Saarbrücken. Häuser wertete zusammen mit Kollegen aus insgesamt 750 identifizierten Studien elf systematische Übersichten zu diesem Thema aus, die zwischen Januar 2009 bis Januar 2017 erschienen sind. Die Forscher kommen in der aktuell im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Arbeit (https://www.aerzteblatt.de/archiv/193428) zu dem Ergebnis, dass keine ausreichende Evidenz für cannabisbasierte Arzneimittel (Dronabinol, Nabilon, Medizinalhanf, THC/CBD-Spray) bei Tumorschmerzen, rheumatischen und gastrointestinalen Schmerzen besteht. Auch positive Effekte bei Appetitlosigkeit, unter der Krebspatienten und Menschen mit AIDS häufig leiden, sind nach der wissenschaftlichen Auswertung nicht erwiesen. „Eine ausreichende Quantität der Evidenz besteht nur beim neuropathischen Schmerz“, ergänzt Häuser.

„Cannabis als Schmerzmittel ist seit der Gesetzesänderung im März en vogue. Die intensive Medienberichterstattung hat dazu geführt, dass zum Teil auch Kopfschmerzpatienten eine Verordnung vehement einfordern“, berichtet PD Dr. med. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) e. V.. „Doch leider ist die Studienlage auch in diesem Bereich noch zu dürftig, als dass wir eine reguläre Behandlung mit Cannabinoiden empfehlen würden. Wir brauchen Studien, die beweisen, dass eines oder verschiedene Cannabinoide in der Behandlung von definierten Kopfschmerzsyndromen nicht nur wirksam, sondern vor allem auch sicher sind. Anders als bei allen zur Kopfschmerzbehandlung zugelassenen Substanzen fehlen entsprechende Daten.“ Die Oberärztin der Neurologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München warnt daher insbesondere vor der übereilten Verordnung von Cannabis bei Kopfschmerzen und Migräne.

Die weibliche Hanfpflanze Cannabis sativa enthält etwa 500 verschiedene Komponenten, davon circa 100 Cannabinoide. Zwar ist die medizinische Wirksamkeit bei Schmerzlinderung und Entzündungen von zwei Cannabinoiden, nämlich Tetrahydrocannbinol (THC) und Cannabidiol (CBD), in Einzelfällen und durch einige klinische Studien erwiesen. Doch die Wirkeffekte auf den menschlichen Körper sind noch weitgehend unerforscht. „Es müssen zunächst für jedes Krankheitsbild methodisch gut gemachte randomisierte plazebokontrollierte Studien vorliegen, die den gewünschten Effekt einer Schmerzlinderung belegen und die Art, Schwere und Häufigkeit von Nebenwirkungen wie zum Beispiel Verwirrtheit oder Psychosen erfassen“, betont Förderreuther. „Es ist darüber hinaus sehr wichtig, verschiedene Formen von cannabishaltiger Medizin zu unterscheiden“, erläutert Häuser. Derzeit sind 14 Sorten Cannabisblüten auf Rezept erhältlich – so genannter Medizinalhanf. Die Konzentration des darin enthaltenen Tetrahydrocannabinols (THC) liegt zwischen 1 und 22 Prozent, die des Cannabidiols (CBD) zwischen 0,05 und 9 Prozent. „Erschwerend hinzu kommt, dass uns Dosierungsangaben für einzelne Indikationen fehlen“, mahnt Häuser. Des Weiteren stehen aus diesen Blüten gewonnene Extrakte mit definierten Konzentrationen an THC sowie synthetisch hergestellte THC-Analoga zur Verfügung.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. begrüßt dennoch die Gesetzesänderung des Bundestags. Sie hebt nun die bisherige Barriere bei der Kostenerstattung von cannabishaltigen Rezeptur- und Fertigarzneimitteln auf. „Wichtig ist allerdings, dass Cannabinoide nicht als isoliertes Therapieverfahren, sondern in Kombination mit physiotherapeutischen und schmerzpsychotherapeutischen Verfahren genutzt werden“, fordern Häuser und Förderreuther. Jede Form einer Eigentherapie lehnen die Experte wegen unüberschaubaren Nebenwirkungen durch drohende Dosis-Schwankungen ab.

 

Literatur:

Häuser W, Fitzcharles M-A, Radbruch L, Petzke F: Cannabinoide in der Schmerz- und Palliativmedizin. Eine Übersicht systematischer Reviews und prospektiver Beobachtungsstudien. Dtsch Arztebl Int 2017; 114(38): 627-34; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0627. Originalarbeit.

Statement der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) e. V. zu Cannabis in der Therapie von Kopfschmerzerkrankungen. Pressemappe zum Deutschen Schmerzkongress 2017.

 

Bier: erhöht es das Prostatakrebs-Risiko?

Australische Wissenschaftler sind der Meinung, dass das Trinken von großen Mengen an Bier und möglicherweise auch von Spirituosen zu einem höheren Prostatakrebsrisiko führen könnte, während das Trinken von Wein das Prostatakrebsrisiko nicht erhöht.

Dass der Konsum von Alkohol das Krebsrisiko erhöhen kann, ist weit bekannt. Eine australische Studie ging nun der Frage nach, welchen Einfluss der Alkoholkonsum auf das Risiko für aggressiven Prostatakrebs hat. In die Studie wurden 1282 Patienten mit aggressiven Prostatakrebs eingeschlossen ebenso wie 951 gesunde Kontrollpersonen. Alle Teilnehmer der Studie wurden zu ihrem Alkoholkonsum 2 Jahre vor Studienbeginn befragt. Dabei interessierte die Forscher, wie viel und wie häufig Alkohol die Teilnehmer getrunken hatten und welche Sorten an Alkohol bevorzugt wurden (Bier, Weißwein, Rotwein oder Spirituosen).

Die Auswertung der Studienergebnisse zeigte, dass Personen die mehr als 5-mal pro Woche Bier getrunken hatten, ein höheres Risiko für aggressiven Prostatakrebs aufwiesen als Personen, die kein Bier getrunken hatten. Das Risiko für aggressiven Prostatakrebs stieg um 3 % pro 10 g Alkohol aus Bier. Auch der Konsum von Spirituosen schien das Risiko für Prostatakrebs zu erhöhen, hier waren die Ergebnisse allerdings weniger deutlich. Im Gegensatz zu den Ergebnissen zu Bier und Spirituosen zeigte die Auswertung zu Weißwein und Rotwein, dass der Konsum von Wein unabhängig von der getrunkenen Menge vor aggressivem Prostatakrebs schütze.

Quellen: Beilit-Kurzfassungen /HealthCom

Papa NP, MacInnis RJ, Jayasekara H, English DR, Bolton D, Davis ID, Lawrentschuk N, Millar JL, Pedersen J, Severi G, Southey MC, Hopper JL, Giles GG. Total and beverage-specific alcohol intake and the risk of aggressive prostate cancer: a case-control study. Prostate Cancer Prostatic Dis. 2017 Sep;20(3):305-310. doi: 10.1038/pcan.2017.12. Epub 2017 Apr 18.

http://www.nature.com/pcan/journal/v20/n3/abs/pcan201712a.html

Viel bewegen, wenig belasten: So treiben Sie mit Knie-Arthrose sinnvoll Sport

Welche Sportarten sind bei orthopädischen Erkrankungen sinnvoll ? „Bei Gelenkproblemen gilt der sportliche Grundsatz: viel bewegen, wenig belasten“, erklärt Professor Dr. med. Andrea Meurer „Ideal sind zyklische Bewegungen, die das Gelenk ohne Krafteinsatz gleichmäßig durchbewegen.“ 

 

Fast jeder dritte 45- bis 67-Jährige in Deutschland ist an Arthrose erkrankt. Bei den über 65-Jährigen trifft der Gelenkverschleiß bereits jeden Zweiten. Viele Betroffene schonen sich, weil sie Schmerzen haben oder verunsichert sind, welche Belastung sie ihren Gelenken zumuten können. Der richtige Sport im richtigen Maß kann helfen, das Fortschreiten einer Arthrose zu bremsen. Nach einer Operation verbessert Bewegung das Zusammenspiel zwischen Kunstgelenk, Muskeln und Knochen.

Diese Sportarten sind gut fürs Kniegelenk:

  • Radfahren
  • Nordic Walking
  • Skilanglauf
  • Schwimmen
  • Aqua-Jogging und Wassergymnastik
  • Rudern
  • Aerobic
  • Ausdauertraining auf dem Cross-Trainer
  • Krafttraining im Fitness-Studio

Eine Kombination aus Ausdauereinheiten, Dehn- und Kräftigungsübungen ist am wirkungsvollsten, um den ganzen Körper zu stärken und Verletzungen vorzubeugen. Die Expertin empfiehlt, täglich 30 bis 40 Minuten, mindestens jedoch zweimal pro Woche zu trainieren.

Sportarten wie Squash, Hand-, Fuß- oder Volleyball, Joggen, Reiten, Ski alpin und Tennis sind aufgrund der abrupten Richtungswechsel und der hohen Stoßbelastung eher schädlich fürs Gelenk. Nur wer sie gut verträgt, darf sie in Maßen ausüben.

Wichtig: Körpergewicht reduzieren!

„Wichtig ist, dass Patienten auf ihr Körpergefühl achten und bei Schmerzen ihren Arzt zu Rate ziehen“, betont Meurer. „Generell gilt es, die Gelenke langsam an die Bewegung zu gewöhnen und Überbelastung zu vermeiden“, so die Ärztliche Direktorin der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim. Bandagen oder spezielle Einlagen können die Knie zusätzlich schützen. Patienten mit Übergewicht sollten zunächst versuchen, ihr Gewicht zu reduzieren, denn überflüssige Pfunde erhöhen die Belastung für die Knie: Beim Gehen wirkt nämlich doppelt so viel Gewicht auf die Gelenke wie beim Stehen.

Auf gar keinen Fall: Schonhaltung!

Auf keinen Fall sollten Patienten in eine Schonhaltung verfallen, so die Orthopädin. „Wer sich – etwa aus Angst vor Schmerzen – kaum noch bewegt, produziert weniger Gelenkflüssigkeit. Der Knorpel im Kniegelenk wird dann spröde, was zu noch mehr Verschleiß und Schmerzen führt.“ Mangelnde Aktivität erhöht zudem das Risiko für Übergewicht, Stürze oder eine Osteoporose.

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
24. bis 27. Oktober 2017, Messegelände Süd, Berlin

 

Rückenschmerz: Rheuma zu selten als Ursache erkannt

Viele Menschen leiden unter Rückenschmerzen. Meist liegt ein unspezifischer Schmerz vor, bei dem keine genaue Ursache erkannt wird. Bei etwa einem von vier Patienten mit chronischen Rückenschmerzen kann der Grund jedoch eine chronisch-entzündliche Wirbelsäulenerkrankung wie der Morbus Bechterew sein. Hierbei entzünden sich Knochen und Weichteile der Wirbelsäule und verursachen große Schmerzen.

„Als Ursache für den Rückenschmerz werden entzündlich-rheumatische Erkrankungen häufig gar nicht oder erst zu spät erkannt“, bedauert Dr. med. Uta Kiltz, Oberärztin am Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne. Die zwei häufigsten rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen sind die rheumatoide Arthritis (RA) und die axiale Spondyloarthritis (SpA), dessen schwere Verlaufsform hierzulande auch Morbus Bechterew genannt wird. Hierbei entzünden sich die Knochen sowie die anliegenden Sehnen und Bänder der Wirbelsäule und verursachen chronische Schmerzen im Rücken. „In Anbetracht der Erkrankungshäufigkeit von rund einem Prozent der Bevölkerung ist es besonders wichtig, schnelle und sichere Diagnosen zu stellen, um Betroffene frühzeitig zu therapieren. Nur so können Folgeschäden, Einschränkungen und schlimmstenfalls Arbeitsunfähigkeit verhindert werden“, betont die Rheumatologin. Mitunter leiden Rheuma-Patienten viele Jahre an Rückenschmerzen bis sie – wenn überhaupt – die richtige Diagnose erhalten.

Häufige Fehl- und Spätdiagnosen

Den Grund für die häufigen Fehl- und Spätdiagnosen bei Rheuma-Patienten sehen Experten der DGRh darin, dass diese zunächst Hausärzte und Orthopäden bei Rückenschmerzen aufsuchen. Zu selten ziehen die Ärzte dann rheumatische Erkrankungen in Erwägung und überweisen zum internistischen Rheumatologen. „Bereits in der Erstversorgung sollten Patienten unter 45 Jahren, die über 12 Wochen chronische Rückenschmerzen haben, auf Charakteristika einer Rheumaerkrankung befragt werden“, empfiehlt Kiltz. „Wacht beispielsweise der Patient aufgrund von Schmerzen regelmäßig in der zweiten Nachthälfte auf oder verbessern sich die Beschwerden bei Bewegung, sollte unbedingt an die Möglichkeit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung gedacht werden.“ Haben Patienten darüber hinaus bereits andere Vorerkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Schuppenflechte, verdichte sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Rückenschmerz beispielsweise Folge eines Morbus Bechterew sei.

Professor Dr. med. Bernhard Hellmich aus Kirchheim-Teck weist zudem darauf hin, dass aufgrund der Komplexität von rheumatischen Erkrankungen ein multidisziplinäres Vorgehen anzuraten sei. „Auch Bildgebungsdiagnostik wie MRT oder Röntgen muss in enger Abstimmung mit dem Rheumatologen erfolgen, denn für die unterschiedlichen rheumatischen Erkrankungen sind jeweils verschiedene diagnostische Methoden sinnvoll“, so der Kongresspräsident von Seiten der DGRh. Aufgrund seiner Bedeutung für das Fach der Rheumatologie ist die interdisziplinäre Arbeit in diesem Jahr auch ein Schwerpunkt des Kongresses in Stuttgart.

Quellen:

45. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh), 27. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR). Pressekonferenz am 7. September 2017 in Berlin

https://www.bechterew.de/inhalt/morbus-bechterew/haeufig-gestellte-fragen/

Grüner Star: Mini-Implantate verhindern Erblindung

Das Glaukom, der Grüne Star,  ist die weltweit zweithäufigste Ursache für Erblindung. Experten schätzen, dass im Jahr 2020 bereits etwa 11,2 Millionen Menschen aufgrund eines Glaukoms erblindet sein werden. Der Grüne Star kann seit kurzem durch eine minimal-invasive Operation mithilfe von Mini-Implantaten effektiv therapiert werden – der Eingriff verhindert eine sukzessive Erblindung des Patienten.

 

Jedes Jahr erblinden 1000 Deutsche aufgrund eines Glaukoms. Bei dieser chronisch fortschreitenden Augenerkrankung wird der Sehnerv meist durch einen erhöhten Augeninnendruck geschädigt. Der Druck entsteht, weil das Kammerwasser im Auge nicht mehr gut abfließen kann. „Die meisten Patienten werden mit Tropfen behandelt, die den Augeninnendruck senken“, erklärt Professor Dr. med. Thomas Kohnen, Präsident der DOG und Direktor der Universitätsaugenklinik Frankfurt/Main im Vorfeld der DOG 2017. Helfen die Medikamente nicht, muss operiert werden, um eine Erblindung zu umgehen. Eine neue minimal-invasive Methode mit kleinen Implantaten vereinfacht den Glaukom-Eingriff nun und lässt das Kammerwasser effektiver abfließen.

Diese in der Medizin weltweit kleinsten Implantate werden mithilfe eines Mikroskops durch einen kleinen Schnitt ins Auge eingesetzt. „Sie haben die Form winziger Röhrchen, nicht viel dicker als ein Haar, durch die das gestaute Kammerwasser aus dem Auge heraus geleitet wird“, erläutert DOG-Experte Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsmedizin Mainz. Die Augenchirurgen platzieren die Mini-Stents in die feinen Abflusskanälchen des Kammerwassersystems unter die Lederhaut oder unter die Bindehaut. Der Schnitt durch den Chirurgen ist so minimal, das er nicht genäht werden muss. Die Experten sprechen deshalb auch von „Minimalinvasiver Glaukomchirurgie“, kurz: MIGS.

„Von diesem schonenden Eingriff profitieren insbesondere hochbetagte Patienten und solche, bei denen Augeninnendruck senkende Tropfen nicht oder nur unzureichend wirken, die sie nicht vertragen oder die sie nicht täglich und korrekt anwenden können“, so Pfeiffer. Zudem können die Implantate im Rahmen einer Grauer-Star-Operation eingebracht werden – etwa 80 Prozent aller über 80-Jährigen leiden an einer solchen Linsentrübung, die einen Eingriff erforderlich macht. „Die minimalinvasiven Glaukomimplantate können die extrem schwerwiegende Erblindung im hohen Alter, die auch heute noch in Deutschland vorkommt, verhindern“, betont Pfeiffer. Zudem entlaste sie Patienten in ihrer Therapie.

In Deutschland finden jährlich rund 60.000 Glaukom-Operationen statt. Anlässlich der DOG 2017 in Berlin weisen die Experten darauf hin, dass in den Industrienationen weiterhin die Dunkelziffer nicht erkannter Glaukomerkrankungen zu hoch ist. Durch Vorsorgeuntersuchungen und damit verbundene Früherkennung könnten viele Erblindungen vermieden werden.

DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft: Pressekonferenz zur DOG 2017, 28.September bis 1. Oktober 2017, Berlin