Stroke-Unit – bei Schlaganfall zählt jede Sekunde

In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, davon circa 50 Prozent in der Altersgruppe über 75 Jahre. „Verantwortlich für den Schlaganfall ist in den meisten Fällen eine Mangeldurchblutung durch Verschluss einer Hirnarterie, die zum schlagartigen Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns führt“, erklärt Dr. med. Hannes Nordmeyer. „Um bleibende Schäden wie beispielsweise eine halbseitige Lähmung zu vermeiden, gilt schnelles und effektives Handeln als oberstes Ziel.“

Symptome richtig deuten

Schlaganfälle lassen sich auf zwei Ursachen zurückführen: In den meisten Fällen liegt ein sogenannter Hirninfarkt vor. Ausgelöst durch Verkalkungen oder bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen, bildet sich dabei ein Blutgerinnsel, das ins Schädelinnere gelangt und dort ein Gefäß komplett verstopft. In der Folge kommt es zu einer Mangeldurchblutung und zum Absterben von Hirngewebe. Demgegenüber kommt es bei einer Hirnblutung zur Schädigung des umliegenden Hirngewebes durch Blutaustritt aus einem geplatzten Gefäß. „Der Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen beziehungsweise der Druck auf das Gewebe führt schließlich zu den für einen Schlaganfall typischen Symptomen wie halbseitige Lähmung, Gefühlsstörungen sowie Sprach-, Sprech- oder Sehstörungen“, erklärt Dr. Nordmeyer, Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie, Leiter der Abteilung für interventionelle Radiologie und Neuroradiologie der radprax in Solingen. Bei Auftreten derartiger Symptome gilt es sofort einen Notarzt zu verständigen, der die nächste Stroke-Unit anfährt.

Spezialstation für Schlaganfallpatienten

Bei einem Schlaganfall steht Patienten ein Zeitfenster von bis zu sechs Stunden offen, um mit der medikamentösen Lyse-Therapie zur Auflösung von Blutgerinnseln zu beginnen. In einer zertifizierten Stroke-Unit sind daher Neurologen anwesend, um in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Neuroradiologen, Gefäßchirurgen, Kardiologen und Neurochirurgen die Betroffenen schnellstmöglich zu versorgen. Für eine präzise Diagnose stehen den Experten spezielle Geräte wie Computer- und Magnetresonanztomograf zur Verfügung. Außerdem sind eine gewisse Anzahl an Betten sowie spezialisiertes Pflegepersonal und Therapeuten vorgeschrieben. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 300 solcher von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der LGA InterCert zertifizierte Stationen. Durch eine kontinuierliche Überprüfung der genannten Qualitätskriterien seit Einführung des Zertifizierungsverfahrens Mitte der 1990er Jahre verbesserte sich die Schlaganfall-Behandlung Betroffener deutlich. Um einen positiven Therapieverlauf weiter voranzutreiben, kombinieren immer mehr Stroke-Units wie jene des Neurozentrums in Solingen die Akuttherapie mit der frühen Mobilisations- und Rehabilitationsbehandlung. Diese wird im Anschluss an den mehrtägigen Aufenthalt in der Stroke-Unit auf einer neurologischen Station oder aber direkt in einer Rehabilitationseinrichtung fortgeführt. Nach Abschluss dieser zeitintensiven Therapie sollen Patienten ihren Alltag so eigenständig wie möglich bewältigen können.

Erste Hilfe bei Schlaganfall

Für besonders schwer betroffene Hirninfarkt-Patienten steht in Kombination mit der Lyse-Therapie mit der sogenannten mechanischen Thrombektomie eine weitere Behandlungsoption zur Verfügung. Dabei ziehen Experten mit einem sogenannten Stentretriever, einem flexiblen Drahtgeflecht, das Gerinnsel in einen Katheter und entfernen dieses vollständig aus dem Gehirn. Darüber hinaus lassen sich mit einer vergleichbaren Technik auch Aussackungen, sogenannte Aneurysmen, und andere blutungsverursachende Veränderungen der Hirnarterien von innen erfolgreich behandeln. „Auch nach vielen Stunden bewahrt die mechanische Thrombektomie noch vor schwerer Behinderung und Pflegebedürftigkeit“, betont Dr. Nordmeyer. „Insbesondere bei Schlaganfällen durch akute Verschlüsse der großen Hirnarterien erzielt diese Maßnahme oft innerhalb weniger Minuten eine lebensrettende Eröffnung des betroffenen Gefäßes.“

Weitere Informationen unter www.radprax.de