Zika: Virologen sehen keine Gefahr für Deutschland

Dengue- und Zika-Viren nutzen denselben Überträger, um sich zu verbreiten – die Mückenart Aedes aegypti. Die Globalisierung und der Klimaveränderung haben dazu geführt, dass sich eine verwandte Art, die Dengue- und vielleicht auch Zika-Viren übertragen kann, inzwischen auch in Südeuropa und sogar Süddeutschland niedergelassen hat – jedoch nur in sehr geringer Häufigkeit. Die Gesellschaft für Virologie (GfV) sieht jedoch keine Gefahr für Deutschland: „Das Zika-Virus wird sich nicht in Deutschland ansiedeln“, so der GfV-Experte Professor Dr. med. Christian Drosten.

„Es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass es zukünftig zu einer Übertragung von Zika-Viren über angesiedelte Moskitos in Deutschland kommen wird“, so Drosten, der am Universitätsklinikum Bonn das Institut für Virologie leitet. Denn Aedes aegypti kommt in Deutschland gar nicht, und die verwandte Art Aedes albopictus nur äußerst selten vor. „Wären die Bedingungen in Deutschland ganzjährig gegeben, wäre Deutschland längst ein Verbreitungsgebiet des Dengue-Fiebers, das sich seit Jahren sehr viel stärker ausbreitet als das Zika-Virus. Die wenigen hierzulande registrierten Zika-Virus-infizierten Personen hatten die Erkrankung direkt aus anderen Ländern eingeschleppt.

Die Fälle von Mikrozephalie, die bei Neugeborenen in Brasilien in den letzten Monaten vermehrt auftraten, bezeichnet Drosten als besorgniserregend. In Brasilien wurden 270 Fälle von Mikrozephalie bestätigt, aber zur gleichen Zeit bei 462 Verdachtsfällen das Vorliegen einer zunächst befürchteten Mikrozephalie ausgeschlossen. 3448 weitere Verdachtsfälle müssen nun noch abgeklärt werden. Bei derzeit weniger als zehn der 270 Fälle konnte laut dem brasilianischen Gesundheitsministerium eine Infektion mit Zika-Viren nachgewiesen werden.

Drosten warnt vor voreiligen Rückschlüssen: „Beim Zika-Virus sind derzeit noch zu viele Aspekte unverstanden, um von einer direkten Verursachung der Mikrozephalie zu sprechen“, so Drosten. „Wir wissen beispielsweise, dass es nicht bei jedem Kind, dessen Mutter in der Schwangerschaft eine Zika-Virus-Infektion durchgemacht hat, zu Fehlbildungen kommt.“ Auch von früheren Ausbrüchen in anderen Ländern sei dieses Phänomen so nicht bekannt, werde aber jetzt aktiv nachuntersucht.

Die Erforschung des Zika-Virus und die Entwicklung einer Impfung sollten nun im Fokus stehen. Zu diesem Zweck hat die Europäische Union gerade zehn Millionen Euro Forschungsgelder ausgelobt. Ein wichtiger Unterschied zu Dengue macht zudem Hoffnung, so Drosten: „Anders als beim Dengue-Virus kann sich der Mensch nur einmal im Leben mit Zika-Viren infizieren, danach ist er immun. Es wäre also denkbar, dass eine Phase der Virusausbreitung eine immune Bevölkerung hinterlässt und dazu führt, dass sich die Epidemie von selbst eindämmt“ so der GfV-Experte.

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